Kuckuck, da bin ich  🙂

Hallooo Santiago!!!

Wenn die FĂŒĂŸe zu Flundern geworden und das Gehirn zu Brei, was heißt das?

Dass 200km in sieben Tagen ein ausreichender Sprint waren! 😀

Ich habs gerade mal durchgerechnet…  nach der Samos-Eskalationswanderung hab ich mir keine Pause mehr gegönnt!

Ich musste einfach meinen sportlichen Ehrgeiz etwas befriedigen, den ich die letzten Wochen durch die Ruhetage fĂŒrs Zeichnen immer mal wieder hinten angestellt hatte… Denn nach mehreren Stunden Wandern in der Sonne ist das Kreativste was mein Kopf zustande bringt ein Topf Nudeln mit Tomatensauce zum Abendessen. 😉

Dazu wollte ich endlich die Hektik der Pilgermassen hinter mir lassen, einfach nur noch die Stadt erreichen.

Die letzten Kilometer haben mich ganz schön gestresst um ehrlich zu sein. Innerlicher Druck so kurz vor dem „Höhepunkt“, die Kommerzialisierung der Dörfer und StĂ€dte besonders auf den letzten 100 Kilometern, die vielen Wochenendpilger, die Jugendgruppen die plötzlich die SchlafsĂ€le bis mitten in die Nacht in eine riesen Klassenfahrt verwandeln…

Ich hatte Santiago bereits gestern Abend erreicht und mich am Eingang der Stadt in ein Hostel einquartiert.

Was wĂŒnsche ich mir die PilgersĂ€le zurĂŒck in denen zwar 40 Personen im Raum waren, aber jeder um 20:00 Uhr tot ins Bett fiel!

Gestern ging erstmal um 3 Uhr nachts das Licht an, als meine drei Zimmernachbarinnen vom Feiern zurĂŒck kamen und den Abend dann vorm Schlafen noch mal ausgiebig Revue passieren ließen.

Der ReisefĂŒhrer beschreibt die letzte Etappe vor Santiago folgendermaßen: „Der letzte Abschnitt wird von vielen Pilgern singend zurĂŒckgelegt, Euphorie ist zu spĂŒren, Sie haben es sich verdient!“

Davon habe ich gestern mal so gar nichts gespĂŒrt als ich, nach erneut 40km und gegen 21 Uhr allein in die Stadt einlief… 😉

Heute morgen fĂŒhlte ich mich allerdings besser und gewappnet fĂŒr den letzten Kilometer zur Kathedrale, ich denke es ist wirklich sinnvoll, kurz vorher noch mal etwas innezuhalten.  ZurĂŒckhaltende Freude und Aufregung… Das GefĂŒhl auf den Platz zu kommen, so wie Millionen von Pilgern es seit ĂŒber 1000 Jahren tun ist etwas Besonderes und ich konnte nicht anders, als die Menschen um mich herum anzulĂ€cheln und mich mit ihnen zu freuen.

Dennoch, ich bin froh, dem Jakobswegtrouble entkommen zu sein.

Ich habe mir keine Compostela geholt.

Dieses StĂŒck Papier hat, genau wie die Stempel in den Herbergen, keine Bedeutung fĂŒr mich, ich brauche keine Urkunde die mir bestĂ€tigt den Weg absolviert zu haben, fĂŒr mich zĂ€hlen die Erinnerungen und Erlebnisse. (Edit freundinfreiheit: Davon bietet dieser Blog ĂŒbrigens reichlich, merke ich nun beim Editieren und Übertragen auf die neue Webseite… was hĂ€tte ich alles vergessen, hĂ€tte ich es nicht hier festgehalten!)

Ich war nicht mal in der Pilgermesse… vielleicht werde ich sie besuchen wenn ich aus Finisterre zurĂŒck bin, fĂŒr den RĂŒckflug muss ich sowieso nochmal zurĂŒck nach Santiago. Die Stadt ist fĂŒr mich untrennbar damit verbunden, dass ich letztes Jahr meinen Exfreund nach seiner Reise genau hier ĂŒberrascht hatte… und es hĂ€ngen zuviele Erinnerungen in der Luft.

Nach einiger Zeit im Schatten der Kathedrale setzte ich also erneut den Rucksack auf und machte mich wieder auf den Weg- der sich nun Camino Finisterre nennt statt Camino Francùs. 🙂

Bereits der erste Schritt heute aus der Stadt herauf fĂŒhlte sich ganz anders an, richtig befreiend.

Ich hatte das GefĂŒhl, seit Tagen mal wieder richtig durchatmen zu können! Red Hot Chili Peppers (ist die Musik meines Caminos geworden, ich höre mich seit Wochen durch die Bandgeschichte) auf laut gestellt und los 🙂 Auf dem Weg gab es dann noch mal einen ziemilch spektakulĂ€ren Blick auf die Stadt mit den weithin sichtbaren TĂŒrmen der Kathedrale… ich ĂŒberlasse das Bild allerdings lieber der persönlichen Vorstellung und erspar Euch das was meine Kamera draus gemacht hat 😉
Ich nehme jetzt Kurs auf die KĂŒste, freue mich so sehr auf den Sonnenuntergang am Leuchtturm!

Dort werde ich auch die verbleibenden Karten zeichnen und hoffentlich noch ein bisschen abschalten können. Bereits jetzt habe ich das GefĂŒhl, dass sich die Luft langsam verĂ€ndert, maritimer wird… oh, ich freu mich so!!! ❀❀❀❀

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