Megamarsch – die Herausforderung deines Lebens.

So weit wie der Werbeslogan der Veranstalter des Megamarsch würde ich zwar nicht gehen, aber eine Veranstaltung, bei der das Ziel ist, 100 Kilometer in höchstens 24 Stunden zu wandern – das klingt schon verrückt. Nach Schmerzen. Brennenden Oberschenkeln. Blutigen Füßen. Klar dass ich mich direkt anmelden musste. 😉

Vor allem, als ich las, dass der Megamarsch, welcher zum ersten Mal 2016 initiiert wurde, seit letztem Jahr auch in meiner Heimatstadt stattfindet, dem schönen (und vor allem flachen) Hamburg. 

Übrigens: Wanderveranstaltungen dieser Art haben Tradition! Beim wohl bekanntesten, dem belgischen „100 km Dodentocht“, der diesen August zum 49. Mal stattfindet, starten 13.000 Menschen. Und das nur, weil die Veranstalter hier eine Grenze gesetzt haben. Der Marsch ist seit langem ausverkauft. 

Die Vorbereitungen

Doch zurück nach Hamburg! Und zu mir: Einer passionierten (gefühlt gerade erst aus Mallorca zurück), jedoch nur mäßig trainierten Wanderin. Wobei das Wort „mäßig trainiert“ ja ein gewisses Maß an Training impliziert. Etwas beschönigend, denn ich befand mich zwischen dem Caminho Portugês im Oktober 2017 und dem GR221 im Februar 2018 quasi in einer Winterstarre.

Da ich erst vier Wochen vor dem Start von dem Lauf erfahren hatte und aus Zeitgründen keine längeren Trainingsmärsche mehr absolvieren konnte, würde ich mich also mehr oder weniger auf meine Grundfitness verlassen müssen.

Nicht die besten Voraussetzungen für eine Veranstaltung, die die 2,5fache Marathondistanz zu Fuß abdeckt… Doch ich wollte es versuchen und schauen, wie weit ich komme.

Ich packe in meinen Rucksack…?

Um möglichst unbeschwert starten zu können, besorgte ich mir einen leichten, kleinen Rucksack (den Terra Nova Laser Elite 20/210g), in dem ich lediglich das Allernötigste würde. Mein Freund und meine Mutter erklärten sich bereit, mich am Tag des Laufes zu unterstützen und mir Wechselklamotten an die Strecke zu bringen, sodass ich das Gepäck aufs Allernötigste beschränken konnte.

Meine Packliste sah folgendermaßen aus:
  • Meine Wanderschuhe, die ich jedoch am Tag des Laufes gegen meine leichten Laufschuhe eintauschte. Beides nicht optimal, denn die Wanderschuhe waren eigentlich zu schwer, jedoch eingelaufen… genaugenommen fallen sie mittlerweile auseinander. Die Sportschuhe sind leicht, aber etwas zu klein. Spoiler: mein Schuhwerk ließ am Wettkampftag zu wünschen übrig. 
  • Patagonia Micro Puff Hoody, warme, leichte Alternative zur klassischen Daunenjacke
  • warmes Merinoshirt (Icebreaker) + kurzes Top (der Wetterbericht versprach beste Bedingungen)
  • lange Leggins für die Nacht, Shorts für tagsüber
  • 2 Paar Merino-Wandersocken, 1 Paar Skisocken für die Nacht
  • Cap, Sonnenbrille, Lichtschutzfaktor
  • Müsliriegel, Wasser, Taschentücher
  • Smartphone, Powerbank, Kopfhörer
  • Gps-Uhr, Stirnlampe
  • Blasenpflaster, Ibuprofen
  • Bauchtasche, Portmonee
  • Dazu noch Wasser, welches ich auf 1,5 Liter beschränken würde, da ich an Verpflegungspunkten und an Kiosken regelmäßig Wasser würde auffüllen können.

Der große Tag

Meine weitere Vorbereitung sah dann so aus, dass ich bis zum Start drauf achtete, im Alltag möglichst viel zu Fuß zu gehen, ein paar kürzere Strecken joggte und einige Krafttrainings absolvierte.

Einige Tage bevor es losging setzte die Aufregung ein. Die Nächte wurde kürzer… und natürlich wurde ich umso wacher, je mehr ich mir einredete, dass ich zum Start ganz unbedingt ausgeschlafen sein müsste…

Am Morgen des Megamarsch ging es dann mit der Fähre zum Startpunkt der Veranstaltung. Auf der sonnigen Wiese herrschte eine Stimmung wie man sie von Marathon-Veranstaltungen kennt: Aufgeregte Leute, „mega“ Wortspiele von den Veranstaltern durchs „Mega“fon (hehe) und der übliche Musikmix aus Stimmungs-Bumbum und Motivations-Gedudel.

Vom Hochleistungssportler bis zum schwer bepackten Wanderkamerad auf Schusters Rappen war alles zu sehen. Mein persönliches Highlight: Das Mädel, welches später mit ihrem dicken Fellmantel quer über den Rucksack geschnallt an mir vorbei stapfen sollte. Und ich hatte mir Gedanken über das Gewicht meines Gepäcks gemacht… Grüße an dich, ich schätze ums Frieren musstest du dir in dieser Nacht keine Gedanken machen! 😉

Gestartet wurde in zwei Startblöcken, 12 und 16 Uhr, wobei ich mich in Ersterem befand. Der Startschuss fiel und aufgeteilt in kleinere Grüppchen wurden wir auf den Weg geschickt.

Der Marsch

Natürlich war ich bestens vorbereitet. Mein Wasser und Frühstück lagen gut verpackt zuhause auf der Küchenablage. So machte ich in Finkenwerder notgedrungen erstmal einen kleinen Abstecher in den örtlichen Supermarkt und deckte mich mit einem XXL-Smoothie, Wasser und Veggie-Nuggets ein.

Weiter ging es dann bei schönstem Sonnenschein über Wiesen, Felder und Deiche Richtung Harburg. Die Strecke sollte auf dem sogenannten „grünen Ring“ einmal rund um Hamburg führen.

Die vielen Teilnehmer vom Start teilten sich schnell auf, sodass es nie beengt war. Es waren jedoch immer andere Wanderer in Sicht und im Laufe des Tages konnte man immer wieder nett ins Gespräch kommen. Oder versuchen, die Komiker zu überhören, die sich sehr zahlreich dazu berufen fühlten, alle paar Minuten lauth mitzuteilen wie weeeenig wir alle erst geschafft hatten und viiiiiele Kilometer noch vor uns lagen… Jep, danke für die Motivation.

Mir wurde daher auch mal wieder klar, was ich am Wandern am meisten liebe… Die Ruhe! Ich stieg also auf Kopfhörer um und hatte sogleich viel mehr Spaß. 😉

Nach dem ersten Verpflegungspunkt bei Kilometer 20 meldeten sich die ersten Zipperlein. Im Nachhinein denke ich, dass ich einfach zu schnell unterwegs gewesen war und regelmäßigere Pausen benötigt hätte. Ich hatte mich zu sehr mitreißen lassen, statt es in meinem gewohnten Tempo anzugehen. Die Schuhe fingen an Probleme zu machen, was ich durch Sockenwechsel versuchte auszugleichen.

Nach Harburg durchquerten wir Wilhelmsburg, meinen Heimatort, und meine Unterstützer warteten auf mich, um mich mit warmen Klamotten für die Nacht zu versorgen. Hier, bei Kilometer 35, war mir schon klar, dass die 100 Kilometer in utopischer Ferne lagen. Aber ich wollte versuchen, zumindest bis zum Sonnenaufgang durchzuhalten.

Es ging weiter zum zweiten Verpflegungspunkt bei 40 Kilometern und über die Elbbrücke. Ein toller Anblick, in der Abenddämmerung. Im Dunklen ging es dann ein langes Stück am Deich entlang. Die Nacht war wahnsinnig klar, und eine Sternschnuppe zog vor mir über den Himmel.

Trotz großer Begeisterung für die Wanderung während der Nacht wurde aus dem Gehen langsam ein Humpeln. Ich wurde immer langsamer und bekam urplötzlich auch noch riesigen Hunger – schlecht, denn ich hatte kurz vorher alles außer einen Riegel abgegeben und bis zum nächsten Verpflegungspunkt waren es noch Stunden. Ich glaube, das wenige Essen zum Start rächte sich hier und ich hatte Reserven geleert, die ich nun nicht mehr gut auffüllen konnte. Und nach einer kleinen Rast auf einer Bank verkrampften meine Oberschenkel plötzlich und wollten sich nicht erholen.

Ich rief meinen Freund an und bat um noch eine kleine Unterstützung am Weg. Als die beiden dann eine Stunde später eintrafen, wr die Versuchung zu groß. Ich entschied mich, ins Auto zu steigen und abzubrechen, mit 50 Kilometern auf der Uhr und 11 Stunden Gehzeit.

Zuhause angekommen, legte ich mich direkt ins Bett, noch in Wanderklamotten und zitternd vor Erschöpfung. Trotzdem war mir klar: Es wäre mehr drin gewesen. Ein bisschen enttäuscht über mich selber war ich schon. Doch aus Fehlern kann man ja bekanntlich lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Und eins ist klar: Das nächste Mal kommt!

Fazit

Wandern und Laufen, zwei Sportarten, ein Ergebnis: sie machen glücklich! Den Leistungsgedanken des Laufens mit den intensiven Eindrücken, wie man sie beim Wandern erfährt zu kombinieren war eine für mich ganz neue Erfahrung.

Auch wenn ich am Fernwandern gerade das Durchatmen und die Entschleunigung liebe bin ich auf den Geschmack gekommen. Der Megamarsch war eine tolle Gelegenheit, Körper und Geist zu testen und zu trainieren. Denn hier gilt das Gleiche wie auch beim Marathon: Die letzten Kilometer läuft der Kopf.

Dazu sollte erwähnt sein, dass die Initiatoren mit dem Megamarsch in Hamburg eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt haben die wenig vermissen ließ!

Nach dem Lauf bedeutet für mich also: Vor dem Lauf. Und ehrlich gesagt waren die Pläne schon am Morgen nach dem Megamarsch geschmiedet. Am 06. Mai geht es für mich nach Leipzig, zur 7-Seenwanderung. Hier wird es wieder wieder heißen „Wandern, soweit die Füße tragen“… Im besten Fall natürlich 100 Kilometer in unter 24 Stunden! 😉

Seid ihr schonmal eine lange Distanz an einem Stück gewandert oder habt bereits an einer Wanderveranstaltung teilgenommen? Schreibt es mir gern in die Kommentare!

Quelle Titelbild: www.megamarsch.de

 

 

 

 

 

8 Comments

  1. Oh wie schön, eine Mit-Megamarschlerin! Ab der Hälfte begannen bei mir auch die Schwierigkeiten, die Gelenke und vor allem der Kopf meldeten sich…dennoch bin ich weitergegangen und war gegen 12:30 am Sonntag in Teufelsbrück. Was für eine Erfahrung! Von etwa 3000 Startern sind 613 an Ende angekommen.

    • Daniela Reply

      Toll, meinen Glückwunsch! 🙂

      Ja, ich glaube, ich war auch im Kopf ganz unvorbereitet darauf gewesen, dass mich eine richtige Laufveranstaltung erwarten würde und nicht nur ein langer Spaziergang. Dadurch hab ich im Endeffekt dann auch glaub ich schneller aufgegeben, als ich es vielleicht hätte tun müssen. Aber draus gelernt fürs nächste Mal! 😉
      Alles Gute für dich!

  2. Ging mir ähnlich wie Dir: Um 12 „ergebnisoffen“ gestartet, ab 40 km begannen die Schmerzen, ab 50 km mehr gehumpelt als gegangen. Dann von km zu km mehr abgebaut und konsequent bei km 60 aufgehört (um 0:15 Uhr), da dann mit einer Geschwindigkeit von unter 4 km/h alles weitere auch sinnlos gewesen wäre. Jetzt erst mal 50 km in Bremen finishen, und dann den nächsten 100er suchen.

    • Daniela Reply

      Hey Volker, ja das kommt mir bekannt vor 🙂 aber sicher weißt du jetzt auch genau wo die Stellschrauben sind, an denen bis zum nächsten Lauf noch gedreht werden kann. Ich wünsch dir viel Spaß in Bremen und beim nächsten 100er!

  3. Stegmair Paul Reply

    Hallo Dani ! 5

    50 Km ist doch schon mal ein guter Anfang; Gratulation ! Und, wie ich lese, ist der Wille auf den 100er ungebrochen.
    War dort wirklich erst nach 20 Kilometern der 1. Verpflegungspunkt ? Das ist ja ein Witz !!
    Beim Hunderter in Biel/Schweiz haben sie alle 5 Km eine Verpflegungsstelle und man braucht demzufolge nicht literweise selbst was mitschleppen !
    Ich wünsche Dir Viel Spaß und Erfolg beim nächsten „Anlauf“ und auch sonst „Alles erdenklich Gute“ und allzeit „Buen camino“ !!!

    Paul

    • Daniela Reply

      Huhu Paul, ja das ist tatsächlich so, auf der Strecke gibt es drei Verpflegungspunkte. Alle 5 klingt mach unfassbarem Luxus!:D wenn ich jedoch Schweiz höre, denke ich an Höhenmeter… wie sieht das denn in Biel aus?

      Danke für den Tipp übrigens, von der Veranstaltung hab ich noch gar nicht gelesen! Ich sollte mal eine kleine Liste anfertigen, glaub ich. 🙂

      Liebe Grüße und alles Gute:)

  4. Marie Teunissen Reply

    Hi Daniela,
    ich war auch das erste Mal dabei und habe 60 km geschafft. Mir ging es mental sehr gut, die Füsse und Oberschenkel hätten noch gekonnt, aber eine bekannte Problemzone im Hüftbereich meldete sich sehr schmerzhaft. Diese Stelle wird jetzt intensiv bearbeitet, damit ich mindestens 20 km bei dem nächsten Lauf weiterkomme ☺. Erschöpft, aber extrem gut gelaunt bin ich ins Bett gefallen.
    Ich hatte die neuen und eingelaufenen Wanderschuhe an, dessen Gewicht ich später gemerkt habe. Die Schuhe unterwegs wechseln wollte ich aber nicht. Rucksack muss auch leichter werden, hatte zuviel mitgeschleppt. Vorbereitet habe ich mich mit regelmäßigen Wanderungen in den Harburger Bergen (13 -20 km), einem Wanderurlaub im Elbsandsteingebirge, zu Fuß von Arbeit nach Hause, Lauftraining und Kraftsport.
    Das Wandern habe ich vor einiger Zeit für mich entdeckt und will auf jeden Fall weitere Wandermarathons mitmachen. Die 7-Seen-Wandermarathons hatte ich auch im Blick und bin noch am Überlegen, ob ich dahin fahre. Bremen werde ich auf jeden Fall machen und der Megamarsch in Berlin klingt auch sehr gut.
    Was mir noch fehlt ist eine Gruppe oder Gleichgesinnte, mit denen ich längere Distanzen ab 40 km in Hamburg oder Umgebung trainieren kann. Mit mehreren macht es doch mehr Spaß.
    Toller Bericht und velleicht läuft man sich mal über dem Weg.
    VG Marie

    • Daniela Reply

      Hey Marie, herzlichen Glückwunsch zum ersten Mal, kannst stolz auf dich sein! 🙂
      Was unternimmst du denn für die Problemzone, gezieltes Training? Ja, das Rucksackgewicht wird sich nach und nach ganz von allein reduzieren… irgendwann weiß man genau, worauf man im Zweifel verzichten kann und was auf jeden Fall mit muss.
      Ich persönlich bin eher die „Einzelgängerin“, für Trainingspartner bieten sich jedoch sicher die Megamarsch- und Wandergruppen auf Facebook an!

      Viele Grüße und vielleicht bis bald mal auf einer Veranstaltung! 😉
      Dani

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