Nach Teil 1 führt heutige Etappe von Buchholz  in der Nordheide bis Handeloh und verläuft zum größten Teil auf Pfaden und Waldwegen durch eine atemberaubend schöne Naturkulisse. Mit den zahlreichen landschaftliche Höhepunkte am Weg soll der Abschnitt zu den Schönsten des gesamten Heidschnuckenwegs gehören- und wurde 2014 von Lesern des renommierten „Wandermagazins“ zum schönsten Wanderweg Deutschlands in der Kategorie Tagestouren gewählt.

Es ist Ostermontag. 

Der Wecker klingelt,  viel zu früh. Mein Freund hatte die letzten Tage bei mir verbracht, wir müssen früh raus, damit er seine Mitfahrgelgenheit erwischt. Mal wieder ein viel zu kurzes Wochenende…

Verabschiedung, ich steige allein in die Bahn zurück. Ein freier Nachmittag liegt vor mir. Zuhause schnappe ich meinen Rucksack, packe ein, zwei Dinge und hole meinen Reiseführer aus dem Regal. Ich will raus in die Natur!

Den Heidschnuckenweg wandern, Etappe 2

Auf meiner letzten Etappe war ich die ersten 26 Kilometer von Hamburg Fischbek nach Bucholz an der Nordheide gewandert. Heute setze ich meine Reise an genau dieser Stelle fort. Nach einer 15 minütigen Zugfahrt steige ich am Bahnhof aus und befinde mich direkt wieder mitten auf dem Weg, der genau hier über die Gleise weiter Richtung Heide führt.

15 Kilometer liegen vor mir.

Genau die richtige Strecke, um den Kopf freizubekommen, mich abzulenken vom Abschied nehmen.

Der Weg beginnt entlang des Wohngebiets und führt durch kleine Gässchen direkt an den Häusern vorbei.  Im Normalfall hätte ich sie als Privatwege identifiziert, doch das gut sichtbare „H“ an Bäumen oder auf kleinen Schildern am Wegesrand gibt mir immer wieder die Sicherheit, mich noch auf dem richtigen Pfad zu befinden.

Kurze Zeit später erreiche ich eine Lichtung mit Stadtteich, an dem ein Angler sein Glück versucht. Die Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht.

Es tut gut, wieder draußen zu sein. Die Wanderschuhe und der Rucksack geben mir das Gefühl von Freiheit. Ich habe Zeit für meine Gedanken und nehme die vielen Eindrücke in mich auf. 

Die Höllenschlucht

Ich folge weiter den Schildern, die mich in Richtung eines dichten Mischwaldes führen. Der Weg ist nun ganz abgeschieden, um mich herum nichts außer den Bäumen und dem Rauschen der Blätter.

Ich bin gespannt auf das Phänomen, welches in Kürze auf mich warten wird: eine 10 Meter tiefe, langgezogene Schlucht mitten im Wald, gerade breit genug für den schmalen Weg, der direkt durch sie hindurch führt. 

Die sogenannte „Höllenschlucht“ ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit: Tauwasser wusch tiefe Gräben in den Permafrostboden, später tauten diese ab und das Wasser konnte versickern. Zurück blieben tiefe Furchen und Schluchten, die heute ein ungewohntes Erlebnis auf dem ansonsten eher flach verlaufenden Weg bieten.

Alles kommt mir hier verwunschen vor, Märchenkulisse… Ich würde mich nicht wundern, hinter der nächsten Biegung auf Rotkäppchen, oder Hänsel und Gretel zu treffen.

Der Brunsberg

Nach dem Wald nun die Weite der Heide.

Ich trete ein in eine Landschaft, die sich in sanften Erhebungen vor mir erstreckt. Die Hügel um mich herum sind über und über bedeckt von der – zu dieser Jahreszeit noch – braunen Heide, einzig ein, zwei Birken hier und da bringen weiße Farbtupfer ins Bild. Eine bizarre Landschaft vom anderen Stern.

Im Spätsommer, zur Heideblüte, muss dieser Anblick überwältigend sein.

Doch auch jetzt bleibe ich staunend stehen, und kann nicht anders, als ein weiteres Mal meine Kamera zu zücken und zu versuchen, die Eindrücke ansatzweise festzuhalten.

Nach dem kurzen Aufstieg auf den Brunsberg, der mit 129m die höchste Erhebung der Umgebung darstellt, lasse ich meinen Blick über die endlosen Heidefelder streifen. Die Landschaft ist einfach unvergleichlich und einzigartig. 

Wanderer und Radfahrer beleben die ausgetretenen, sternförmig zum höchsten Punkt führenden weißen Pfade, die man von dieser Stelle aus weithin überblicken kann. Auch andere Wanderer hatten an diesem Frühlingstag die Idee zu einem Ausflug in das Naturschutzgebiet.

Der Büchsenbach

Wieder im Wald. Eine erneute Lichtung, dann wieder Heide. Ein flaches, glasklares Bächlein schlängelt sich direkt am Weg entlang, kreuzt ihn, verschwindet immer wieder im Boden, nur um kurze Zeit später wieder aufzutauchen. Der Weg hier ist klar markiert, am Rand immer wieder Bänke oder kleine Rastplätze zum Innehalten.

Das Versickern des Baches im Boden nennt sich „Bachschwinden“. Wechselnde Bodenbeschaffenheiten bedingen das Phänomen: Durchlässiger Sandboden wechselt ab sich mit festem Lehm und Ton.

Am Ziel

Nicht nur der Weg, auch das Wetter sind heute für eine Überraschung gut.

Nach blauem Himmel, Schäfchenwolken und strahlender Sonne: Hagel. Dicke Körnchen, die auf mich herab prasseln, während ich die letzten Kilometer Buchenwald durchquere.

In Handeloh angekommen, meinem heutigen Ziel der Wanderung, erreiche ich direkt den Zug, der mich zurück nach Buchholz bringen wird. Von dort aus werde ich dann schnell wieder in Harburg sein, die Rückfahrt wird weniger als 40 Minuten benötigen.

Im Zug lese ich die Nachricht von meinem Freund, auch er ist wohlbehalten wieder heimgekommen.

Ich schreibe ihm: Ich war heute unterwegs, auf Deutschlands schönstem Wanderweg.

Infos zur Strecke Heidschnuckenweg Etappe 2

  • An-/Abreise: ab Hamburg erreicht man Buchholz stündlich unkomliziert mit dem Metronom, zurück ist Handeloh mit Buchholz über die Bahngesellschaft „erixx“ verbunden. Auch diese verkehrt stündlich, in Buchholz hat man auf der Rückreise nur ein paar Minuten Wartezeit. 
  • Ich habe für die Fahrt das „Niedersachsenticket“ genutzt für 23 Euro. Dieses gilt den ganzen Tag und deckt alle Fahrten ab.
  • Streckenführung: Die Strecke ist super ausgeschildert, das weiße „H“ auf schwarzem Untergrund alle paar hundert Meter sorgt dafür, dass es fast unmöglich ist, sich zu verlaufen. Zusätzlich habe ich mir jedoch den „Outdoor“ Wanderführer zum Heidschnuckenweg aus dem Konrad Stein Verlag zugelegt. Einfach weil es schön ist. 🙂
  • 15 Kilometer sind auch für ungeübte Wanderer gut zu schaffen, alternativ ist die Strecke auch mit dem Rad zu bewältigen. Ich habe in entspanntem Tempo ungefähr 4 Stunden gebraucht. 
  • Verpflegungsmöglichkeiten: keine, daher genug Wasser und Proviant einpacken!
  • Beste Reisezeit: Am Schönsten – jedoch auch am bevölkertesten – ist der Heidschnuckenweg im Spätsommer zur Heideblüte. Es hat jedoch jede Jahreszeit ihren Reiz und ich hatte – trotz Feiertag – auf meiner Wanderung den Weg auf weiten Strecken ganz für mich allein!
  • Den ersten Abschnitt der Etappe, HH-Fischbek bis Buchholz kannst du hier nachlesen!

 

 

 

 

4 Comments

  1. Schön habt ihr es da oben. Tolle, stimmungsvolle Bilder…freue mich auf Teil 3 🙂

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