Dieser Beitrag zur Via Baltica erschien ursprünglich im September 2016 auf meinem Vorgängerblog. Nun hat auch er endlich sein neues Plätzchen auf freundinfreiheit gefunden!  

Auf meinem Grabstein sollte später stehen: Ruhe in Frieden Dani – endlich keine Gelegenheit mehr, zu verschlafen! 😉 Und wieder mal ein Tag, an dem ich zwei Stunden später aufgestanden bin, als geplant…

Wandermodus: an

So ganz verschlafen hatte ich heute Morgen jedoch gar nicht. Ich dachte nur, es regnet und traute mich nicht aus dem Zelt! Als ich um 10 Uhr dann doch vorsichtig die Zelttür öffnete, merkte ich, dass es nur Tropfen von den Bäumen waren, und eigentlich die Sonne schien… 😉

Ich checkte also aus und stapfte munter drauf los, auf der Via Baltica immer der Elbe entlang. Der Rucksack schien mir nicht mehr so schwer wie am ersten Tag und alles lief bereits wieder flüssiger… Wandern/Pilgern ist anscheinend wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht. 😉

Die Via Baltica in Bildern: Teil zwei

Mein erstes Ziel war die Lühe-Schulau-Fähre, welche mich auf die andere Seite der Elbe bringen würde.

Hier ein weiteres Glanzstück meiner hohen Kunst der Reiseorganisation: ich hatte den Fahrplan nicht nachgeschlagen und verpasste die am Wochenende nur alle zwei Stunden fahrende Fähre um 10 Minuten!  Aber halb so wild, denn so kam ich in den Genuss eines Schauspiels welches in dieser Form einzigartig auf der Welt ist. Ich war gleichzeitig verstört und begeistert…

Die Schiffbegrüßungsanlage Wilhelmshöft

An der Fähre gibt es ein sehr teures Restaurant, mit einer riesigen Terrasse und Panoramablick auf die Elbe. Außer dass hier ein Tee 3,60 EUR kostet, hat dieses Etablissement noch ein weiteres Highlight zu bieten: Die Schiffbegrüßungsanlage Wilhelmshöft!

In einem kleinen Raum hinter der Terrasse stand ein älterer Herr in Semannsuniform an einem Tastaturenpult.

Er begrüßte, bzw. verabschiedete die ein- und ausfahrenden Dampfer, indem er eine Ansprache von einem Tonband abspielte. Dazu hisste er die jeweilige Flagge der Nationalität der Schiffe und ließ laut ihre Nationalhymne erklingen. Da auf der Elbe nicht gerade wenige Dampfer unterwegs sind, hatte er ganz schön was zu tun! 😉

Zusätzlich erzählte er den geneigten Restaurantbesuchern – die meisten von ihnen hatten das fossile Alter bereits überschritten – den ein oder anderen Schwank aus den „bewegten“ Leben der Schiffe: Reedereien unter denen sie gefahren waren, technische Daten, Ladegut…

Die pure Groteskheit mit den Flaggen und Hymnen und den zustimmend murmelnden und schauenden Gästen sowie dem Mann am Pult, der so enthusiastisch von den Dampfern sprach, als wären sie Stars machten das Schauspiel perfekt!

Und irgendwie war es dann auch wirklich fesselnd, die Informationen über die Schiffe zu hören und auf den nächsten Dampfer zu warten, der vorbeifahren würde. 😉

Das alte Land

Am anderen Ufer betrat ich ein anderes Land- Das Alte Land! Den sogenannten „Obstgarten Hamburgs“.

Das Wetter bildete eine perfekte Mischung aus blauem Himmel und Schäfchenwölkchen. Ich fühlte mich wie in einer Zauberwelt auf den kleinen Pfaden, die direkt auf dem alten Deich zwischen den majestätischen, alten Fachwerkhäusern, den Obstbäumen und kleinen Sielarmen hindurchführten. Hier kann man nicht anders, als alles um sich herum zu vergessen!

Ich finde, dass an diesem Ort auch immer eine ganz bestimmte Art von Stille herrscht, als wenn die Zeit anderen Regeln gehorchen würde. Das Alte Land ist in der Bewerbung zum Weltkulturerbe, und einer der schönsten Flecken – nicht nur Deutschlands – der mir bekannt ist.

Schon an meinem zweiten Wandertag bin von ich der Via Baltica wirklich restlos begeistert- und das, obwohl ich bisher nur durch Gebiete gelaufen bin, in denen ich quasi zuhause bin!

Heute war der Weg durchgehend beschildert, sowie jede Weggabelung noch mal extra gekennzeichnet. Dabei ist die Via Baltica zwischen Bremen und Hamburg trotzdem nicht so überladen mit Pfeilen, wie es teilweise auf dem Camino Frances der Fall ist. Ich habe mich einfach jedes Mal gefreut, wenn ich eine neue Muschel erspähen konnte.

Wie eine große Schnitzeljagd! (Tofuschnitzel natürlich 😉 )

Harsefeld: veganes Pilgerparadies

Meine Etappe hat in Harsefeld geendet, welches ich gegen 19 Uhr mit dampfenden Sohlen und vollkommen ausgehungert erreichte.

Da die Kirchenschwestern so hartnäckig meine Anrufe ignoriert hatten, hatte ich mir für die Nacht ein privates Gästezimmer im Gästehaus Angelika gebucht. Den Tag über hatte ich außer ein paar verbleibenden Fruchtriegeln und etwas Obst vom Weg im Alten Land, sowie einem Apfel, den ich von einem Obstbauern geschenkt bekommen hatte, nichts Essbares in den Bauch bekommen.

Doch was erspähten meine Augen da, 10 Minuten vor dem Ziel? Ein Burger- und Steakhaus, das auf der Karte einfach mal VIER verschiedene Vegane Burger mit verschiedenen Pattys, sowie diverse andere Gerichte auf der Karte hatte!

Ganz klar, dass ich dort hinmusste, sobald ich meinen Rucksack abgeladen hatte. Der Hammer! Solltest Du mal in Harsefeld unterwegs sein, kann ich Dir das Vanero nur wärmstens empfehlen.

Ein königliches Schlafgemach

Auch meine Unterkunft war ein großer Glücksgriff, ich hatte eine ganze obere Etage in einem großen Haus für mich, die Gastgeber empfangen mich unglaublich herzlich und hatten die Zimmer mit viel Liebe fürs Detail für die Ankunft vorbereitet. Dazu würden sie mir am nächsten Morgen sogar noch ein Frühstück aufs Haus bereiten… „Weil ich Kraft bräuchte, für den langen Weg!“ 🙂 Welch Festmahl mich erwarten würde, wusste ich da noch nicht, doch dazu mehr im nächsten Bericht!

Du siehst, mein zweiter Tag war ein voller Erfolg. Dazu habe ich sogar einen kleinen Sonnenbrand bekommen! Sogar das ist also möglich, auf der Via Baltica. 😉

Zurückgelegte Distanz: ca. 27km

Kosten für die Unterkunft: 30 EUR

Verpflegung: schwierig. Kurz hinter der Fähre habe ich einen Netto gesehen, danach wurden selbst Cafes und Bäckereien Mangelware. In Horneburg gibt es eine Bäckerei am Weg, jedoch ohne vegane Optionen. Schwierig auch, zwischendurch Wasser nachzufüllen. In Harsefeld gibt es verschiedene Möglichkeiten, z.B. das Vanero direkt an der Eishalle, nicht nur für Veganer!

Nicht vergessen, bis Dienstag läuft noch die Versteigerung der Stadtmusikantenkarte für den guten Zweck, die Hälfte der Erlöses wird an den Lebenshof für gerettete Tiere „Land der Tiere“ gehen! Mitmachen kannst Du, indem Du Deinen Betrag in die Kommentare unter diesen Artikel postest. Vielen Dank 💜  [Edit: das Gewinnspiel ist beendet.]

Zum meinem ersten Bericht von der Via Baltica geht es hier lang!

1 Comment

  1. Liebe Dani. Ich bin gestern die Strecke gegangen und hab in Horneburg, gleich wenn man reinkommt, auf der linken Seite einen Obsthof entdeckt. Das ältere Ehepaar, welche diesen Hof betreiben waren so begeistert von meiner Pilgerreise, das sie mich gleich mit Kaffee und Keksen verköstigt haben. Erdbeeren, Selter und Tic tac haben sie mir auch für den Weg mitgegeben. Sogar ein Zimmer hätten sie für mich gehabt, wenn ich nicht mehr weiter gekonnt hätte. Dafür hätte ich dann bei der Kirsch Ernte etwas mitgeholfen. Ich bin aber weitergegangen bis nach Harsefeld. Dort wird die Pilgerherberge jetzt von einer Dame verwaltet, die katholischen Schwestern sind da irgendwie raus, so ganz verstanden habe ich das nicht. Das Zimmer mit Küche ist total schön, auch eine Dusche ist da. Liebe Grüße

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