[Dieser Beitrag erschien im Sommer 2016 ursprünglich auf ichbindani und hat nun im Via Baltica Touren-Tagebuch auf freundinfreiheit.de sein neues Zuhause gefunden. :))

Was haben der Geruch von Kuhmist, frisch gewaschener Wäsche und Bratkartoffeln gemeinsam? Alle drei riechen nach Heimat für mich, als gebürtige Niedersachsenerin. 😉

Auf der Via Baltica von Harsefeld nach Zeven

Heute ging es ganz nah an genau den Dörfern vorbei, in denen ich meine Kindheit verbrachte. Bei den sorgfältig gestalteten Vorgärten, den alten, großen Bauernhäusern und Feldern, Wiesen und Weiden hatte ich des Öfteren das Gefühl, als müsste mein Elternhaus gleich hinter der nächsten Ecke liegen. Dennoch war mir keine der Straßen bekannt, da die Streckenführung die meiste Zeit über kleine Nebenpfade verlief. Ich freute mich über die freundlichen Menschen, die mir ein knappes „Moin“ zuwarfen, oder mich sogar aus dem Auto heraus grüßten.

Und natürlich genau schauten wer da unterwegs ist – Man muss ja informiert sein. 😉 

Dorfidylle und Bratkartoffeln

Die Bodenständigkeit der Leute passt zur Unaufgeregtheit der Landschaft.

Nichtsdestotrotz sieht man überall immer wieder kleine Informationstafeln oder auch richtig große Gedenksteine, die einem die Geschichte der Dörfer näher bringen.

Wie auch auf der gesamten Strecke bisher: Da hat sich jemand mächtig Mühe gemacht!

Aufwachen im Paradies

Nach einer Nacht im kuschligen Bett des Gästehaus Angelika weckte mich sanft die Sonne durch das schräge Dachfenster. Ich konnte mich kaum überwinden aufzustehen… wie viel intensiver man solche kleinen Luxus-Momente auf einer Wanderreise wahrnimmt!

Meine Gastgeberin hatte ja angekündigt dass sie mir ein Frühstück bereiten würde, doch ich konnte kaum meinen Augen trauen, als ich den Wintergarten betrat! Frische Brötchen, geschnittene Obst und Gemüse, eine Tomaten-Basilikum-Platte, Sojajoghurt mit frischen Nektarinen, Aufstriche, Marmelade… dazu grüner Tee und Saft – Ich habe selten so gut gefrühstückt wie an diesem Morgen! Danke nochmal dafür! 🙂

Solltest Du die Via Baltica gehen wollen, kann ich Dir diese Unterkunft wirklich empfehlen.

Vor dem Aufbruch unterhielt ich mich noch etwas mit dem Ehepaar und erfuhr, dass Harsefeld eine Menge zu bieten hat. Den Klostergarten, die Eisporthalle… und den Harsefelder Herbstzauber, einem großen Handwerkermarkt, der zufällig genau an diesem Wochenende stattfand.

Da ich sowieso mal wieder spät dran war, kam ich also genau zur richtigen Zeit an der Kirche vorbei und konnte mich noch etwas an den Ständen vorbei treiben lassen. Von einem Gewürzhändler erstand ich mir Apfelchips und gezuckerten Ingwer – großes Glück! Denn für den Rest des Tages sollten Verpflegungsmöglichkeiten rar werden. Oder besser gesagt: nicht existieren.

Die römische Heerstraße

Die Römer, diese Halunken! Mit ihren schnurgeraden, kilometerweiten Straßen bescherten sie mir bereits im Sommer einige der übelsten Tage des gesamten Camino Frances… Gestern hatten sie ihr Comeback. 😉

 Als ich das Wort römische Heerstraße im Wanderführer ließ wusste ich bereits: der Tag wird hart.

Es soll ja Menschen geben, die diese nicht enden wollenden Wege ohne jegliche Ablenkung lieben. Ich hab irgendwann einfach wieder Schritte gezählt und gehofft, anzukommen. Nicht, dass es keine schöne Landschaft gewesen wäre. Doch gefühlt wurde der Weg immer länger, und länger, und länger…

Steinzeitgräber und Fliegerbomben

Umso mehr freute ich mich über Abwechslung in Form von großen Findlingen am Weg, die der Heimatverein Ottendorf aufgestellt und zu verschiedenen Themen beschriftet hatte.

So gab es z.B. den „Olen Sweden, Ottendorfs ältesten Einwohner“ (DA bin ich mir nicht ganz sicher 😉 ), den „Napoleonsteen“, den „Fliegersteen“ mit der Geschichte zweier 1945 genau dort bruchgelandeter Piloten – sogar mit einem im Stein eingelassenen Stück der Tragfläche – und den „Hexensteen“ an einer Stelle, an der angeblich ein Räuberhaus gestanden hatte… süß, wieviel Mühe sich mit damit gemacht wurde. Dazu lag auch noch ein altes Steinzeitgrab direkt am Weg, derer es in dieser Gegend so einige gibt.

Der Gemeindesaal des Grauens

Ganz ehrlich: mit dem nächsten Abschnitt tue ich der Zevener katholischen Gemeinde wirklich Unrecht. Ich wurde sehr freundlich empfangen und hatte zwei große, warme Räume, sowie quasi das gesamte Gemeindehaus, welches direkt an die Kirche angeschlossen war, für mich allein.

Aber: ich hatte nachts SO RICHTIG. DOLLE. ANGST. 😂

Dieses ganze Gebäude war so riesengroß und leer… dazu knallten die Türen superlaut und hallten durch das ganze Haus. Und beim Gedanken daran, dass ich gerade ganz allein hier die Nacht verbringen würde… ja ich weiß, ich bin ein Schisser. 😉

Ein bisschen erinnerte es mich an ein verlassenes Schulgebäude. Dass die Wände mit großen Panoramafenstern versehen waren, machte es nicht besser… ich zog also alle Vorhänge zu… und fürchtete mich nun noch mehr, da ich nun die eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen konnte.

Allerdings lebe ich noch und kann heute diesen Bericht verfassen, daher war die Aufregung wohl umsonst. Ich hatte allerdings ziemlich wilde Träume, die mich noch den halben Tag verfolgten – wohl die Strafe dafür, dass ich evangelisch getauft wurde. 😉

Zusammenfassung zur Etappe Harsefeld – Zeven

  • Zurückgelegte Strecke: ca. 28km
  • Übernachtungskosten: Spende
  • Verpflegung: Unbedingt ausreichend Wasser und Proviant mitnehmen. Zwischen Harsefeld und Zeven gibt es keinerlei Möglichkeiten, aufzufüllen! Ich hab zwischendrin an einem Bauernhaus geklingelt und nach Leitungswasser gefragt, weil ich so durstig war.

Danke fürs fleißige Mitbieten auf Facebook und dem Blog! 💙  Diese Truppe begleitet mich tapfer und freut sich darauf, in Bremen auf die Reise zu Dir zu gehen! 🙂 Versteigert wird sie noch bis HEUTE ABEND. Die Erlöse gehen zur Hälfte an den Lebenshof „Land der Tiere“! Hier kannst Du in den Kommentaren mitbieten, der Betrag liegt bei derzeit 45 Euro! 🙂 (beendet)

Gefällt Dir mein Via Baltica Touren-Tagebuch? Hier gibt es weitere Etappen zum Nachlesen!

 

1 Comment

  1. Liebe Dani, ich kann das alles, was du geschrieben hast, sehr gut nachempfinden, denn ich bin die Strecke heute gegangen und habe mir mein Lager hier in der Kirche aufgebaut. Heute ist mein vierter Tag auf der Via Baltica. Liebe Grüße an dich.

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