Edit: Dieser Beitrag zu meiner ersten Wanderung auf der Via Baltica erschien ursprünglich im September 2016 auf ichbindani. Nun hat er auch seinen Weg auf Freundinfreiheit gefunden. 🙂

Pilgern in Deutschland – geht das?

In zwei Tagen wird es bei mir zu Fuß auf die Via Baltica gehen, in 5 Tagen von Hamburg nach Bremen. Ein deutscher Jakobsweg… bis vor zwei Wochen war mir gar nicht bekannt, dass es neben „DEM“ Jakobsweg überhaupt noch weitere Wege gibt, die sich so nennen. 🙂

Tatsächlich ist der sogenannte Camino Frances, der gemeinhin als „der“ Jakobsweg bezeichnet wird, quer durch Spaniens Mitte verläuft und den auch Hape Kerkeling mit seinem Buch so in Mode gebracht hat der am meisten gelaufene, jedoch nicht der einzige Pilgerweg.

Ganz Europa und auch Deutschland wird von einem Netz aus Pilgerwegen durchzogen, die alle mehr oder weniger direkt in Richtung Santiago di Compostela führen.

Ich bin gespannt, wie sich das Wandern auf der Via Baltica vom Pilgern in Spanien unterscheidet! Sicher kann es auch sehr schön sein, direkt vor der Haustür los zu wandern. Ich denke, es muss sicher nicht erst nach Spanien gehen, um dem Alltag ein wenig zu entfliehen…Via_Baltica_3_signs_in_Bremen.jpg

Via Baltica – die Fakten

Ich konnte bereits in Erfahrung bringen, dass auch in Deutschland die Pilgerunterkünfte entlang der Jakobswege sehr bezahlbar, beziehungsweise auf Spendenbasis sind.

Gespannt bin ich darauf, ob es einen Unterschied zum Pilgergefühl auf dem spanischen Camino Frances und dem Pilgern in Deutschland geben wird. Ob auch in der Heimat dieses typische Pilgerfeeling aufkommen wird? Wie wird es sein, nach den Muscheln Ausschau zu halten, und wie werden die Unterkünfte aussehen? Werde ich vielleicht sogar andere Pilger auf dem Weg treffen?

Die Via Baltica verläuft auf  über 700 Kilometern von Swinemünde auf Usedom bis nach Osnabrück in Niedersachsen.

Dabei hält sie sich an die traditionellen Verbindungsrouten des Mittelalters und durchläuft unter anderem Rostock, Lübeck, Hamburg und Bremen. Auf der Seite „Deutsche Jakobswege“ ist vermerkt, dass auf dieser Route konsequent versucht wird, ein Netz von preisgünstigen Unterkünften zu stellen.

Zum Wandern auf der Via Baltica machen sich die Infos rar.

Zu den spanischen Pilgerwegen gibt es gefühlt 1000 Blogs, zur Via Baltica hab ich nicht einen gefunden… nur ein paar Infoseiten mit allgemein gehaltenen Informationen. Auf der Seite Jakobswege Norddeutschland gibt es ein paar nähere Infos, dazu die Möglichkeit, sich per Mail eine Liste mit Unterkünften zusenden zu lassen. Ganz schön aufwendig, und sie gibt auch nicht allzuviel her…

Ein Pilgerführer musste also her. Ich hab mich für den „Outdoor – Jakobsweg Via Baltica“ entschieden, dieser bietet genaue Wegbeschreibungen und auch einige Adressen mehr zu möglichen Pilgerunterkünften. Ab Freitag werde ich dann sehen, als wie praxistauglich er sich erweisen wird!

Muss mit: der Pilgerpass

Tja, und was darf in der Ausstattung eines Pilgers auf keinen Fall fehlen? Genau, ein Pilgerpass. 😉 Dieser berechtigt zum Übernachten in Pilgerunterkünften, bzw. gewährt auch Rabatt in einigen Pensionen und Zimmervermietungen am Weg.

Zudem erhält man bei er Übernachtung einen Stempel, die man in Santiago, dem theoretischen Ziel der Pilgerreise, gegen die sogenannte Compostela eintauschen kann. Die Compostela ist sozusagen die offizielle Urkunde, dass man den Weg absolviert hat. (Mir persönlich war das letzten Sommer am Ende meiner Pilgerreise nicht wichtig, ich habe mir daher keine Compostela ausstellen lassen.)

Praktischerweise gibt es in Hamburg einen extra Pilgerpastor! 🙂 Dieser hat ein eigenes Büro, in dem man ihn und ein Team von Ehrenamtlichen aufsuchen und sich gegen eine Gebühr von 5 Euro einen Pilgerpass für die norddeutschen Jakobswege ausstellen lassen kann. Wenn Ihr aus Hamburg kommt, lohnt es sich durchaus dort mal vorbeizuschauen, Pastor Lohse und sein Team können kompetent Fragen  zum Pilgern in Deutschland und auch allen anderen Jakobswegen beantworten.

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Pilgerunterkünfte: frühzeitig buchen!

Im Büro kam dann die Frage auf, ob ich denn schon alles gebucht hätte…ich so…Nööö, ist doch noch drei Tage hin?!? Betretenes Schweigen. Es dämmerte mir, dass Vorausplanung – wie sollte es auch anders sein – in Deutschland wohl eine gute Idee ist. 😉

Heute, zwei Tage vor Reisebeginn, habe ich mich nun also an die genaue Etappenplanung gemacht und versucht, die günstigsten Unterkünfte zu finden und zu reservieren. Oft stellen Kirchenbüros einen Platz, an dem man seine Isomatte und Schlafsack ausrollen kann. Das Problem: man muss sie erstmal erreichen! 😀

Circa sechs Anrufbeantworter und ein paar Gespräche später konnte ich nun zumindest schon mal die erste Nacht buchen. Diese wird auf einem Campingplatz mit Leihzelten sein, direkt am Elbstrand!

So sieht die Etappenplanung aus:

  • Tag 1: Hamburg Landungsbrücken – Wedel, 20,2km, Übernachtung: Campingplatz Elbecamp
  • Tag 2: Wedel – Harsefeld, 21,1km, Übernachtung: evtl. in der Pilgerunterkunft der Kirchengemeinde
  • Tag 3: Harsefeld – Zeven, 27,8km, Übernachtung: evtl. in der Kirchengemeinde
  • Tag 4: Zeven – Otterstedt, 23km, Übernachtung: evtl. in der Kirchengemeinde
  • Tag 5: Otterstedt – Bremen, 30-35km. Gegen Abend Fahrt zurück nach Hamburg

Kartenaktion

Erinnerst Du dich noch an meine Spendenaktion im Sommer auf dem Camino Frances? Ich habe mir spontan überlegt, dass es auch auf diesem Weg eine Überraschungskarte geben wird, die ich während der Reise versteigere!

Ich habe das Motiv in den letzten zwei Tagen schon etwas vorbereitet und bin ganz doll verlieeeebt 🙂 Eine ziemlich bunte Gang, vielleicht kennst Du sie… sie sind ziemlich musikalisch und halten fest zusammen! Dazu sind sie waschechte Bremer, hehehe 😉 Auch hier wird wieder die Hälfte der Spende an den Lebenshof Land der Tiere gehen.

Ich freu mich schon drauf, endlich wieder unterwegs zu sein! Und hoffe sehr, dass das Wetter durchhält bis zum Wochenende…

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  1. Pingback: Via Baltica Touren-Tagebuch: Harsefeld - Zeven - Freundinfreiheit

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