Nun ist es soweit, ich bin am Ende meiner Reise angekommen, Finisterre. Auch genannt: „Das Ende der Welt“.

Anscheinend dachten die früheren Pilger dass sie vor sich am Horizont den Rand der Erde erblicken könnten… der Gedanke liegt beim Blick aufs weite, graublaue Meer gar nicht fern.

Nach drei Tagen Pause in Muxia dachte ich mir, dass die 30km-Etappe bis Finisterre nun, erholt und mit 770 km Training in den Sohlen ein Klacks werden würde.

Tatsächlich fühlte ich mich jedoch nach der ersten Steigung alles Andere als in Form 😀 Immerhin bin ich den Weg ohne nennenswerte Pausen in 6 Stunden abgelaufen- eine ordentliche Leistung 😉

Die Strecke gehört zu den schönsten, die ich auf dieser Reise bewandert habe, mit dem Blick auf die Küste bekam ich eine Ahnung davon, wie wunderschön der Camino Del Norte sein muss… ein weiterer Jakobsweg durch Spanien, welcher auf voller Länge entlang des Atlantiks verläuft.

Sollte ich noch mal in Spanien pilgern: Del Norte, wir haben ein Date! 😉

Als ich auf meiner Wanderung eins der kleinen Dörfchen entlang des Weges passierte, erblickte ich ein kleines Minihäuschen am Wegesrand… bunt bemalt und mit einem Spielzeug-Bällchen vom kleinen Dach baumelnd.

Wow, dachte ich, dafür dass sich um die Katzen hier sonst noch weniger gekümmert wird als die Hunde, scheint sich hier ja jemand echt Mühe zu geben! Prompt entdeckte ich auch ein winziges, herzallerliebstes Fellbällchen im Schatten der Hütte.

Ich kniete mich herunter um ein Foto zu schießen, als ich die kleine Kette um den Hals des Kätzchens sah… es kam sogleich angelaufen, sichtlich erfreut, geradezu erleichtert über die Gesellschaft…  mir blutete das Herz, denn dieses Katzenbaby, das sich nun in einer Mischung aus Spielen und Nähe suchend an meinen Schuh schmiegte war so offensichtlich vereinsamt und verzweifelt, dazu noch ständig damit beschäftigt sich zu kratzen, also offensichtlich befloht… Ich beschäfigte mich eine ganze Weile mit ihm und überlegte, was ich tun könnte. Aber ich sah keine Möglichkeit zu helfen…

Frei lassen wie bei den Wildvögeln am Anfang der Reise hätte nichts gebracht, schließlich war das Kätzchen gerade dem Babyalter entsprungen und definitiv unfähig allein klar zu kommen…

Mitnehmen auch nicht möglich, wie hätte ich mich die nächsten Tage drum kümmern, geschweige denn es nach Deutschland bekommen sollen? Es schwebte ja auch nicht in Lebensgefahr, wurde nur absolut falsch gehalten, wie so viele Katzen, Hunde und Vögel entlang des Weges.

Ich überlegte, ob und wie ich den Besitzern mit meinen drei Worten Spanisch meinen Unmut aussprechen könnte und dass sie das Kleine nicht an einer Kette halten könnten. Da kam auch schon ein Muttchen im fossilen Alter aus der Tür gewackelt, rief das Kätzen mit zittriger Stimme und wiederholte immer wieder den Satz „Das ist Pepita, das ist Pepita!“   Sie freute sich dabei ganz gewaltig über die kleine Katze. Ich wusste sofort es war sinnlos, hier eine Diskussion zu beginnen.

Schlussendlich machte ich mich bedrückt und mit dem Gefühl, mehr hätte tun zu müssen, wieder auf den Weg.

Tja, wie soll man in solchen Situationen handeln?

Ich sah für mich keine Möglichkeit, vielleicht hätte Jemand anders sie wirklich einfach mitgenommen, oder mit besserem Spanisch den Besitzern wenigstens die Hölle heiß gemacht… war es verantwortungslos die Kleine ihrem Schicksal zu überlassen? Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, was das Richtige gewesen wäre.

Ein Grund mehr, warum ich gerade meine ganze Kraft in die Kartenaktion stecke und seit Tagen jeden freien Augenblick zeichne. Denn damit kann ich sicher etwas bewirken, Spenden sammeln und Aufmerksamkeit schaffen für den Lebenshof Land der Tiere, wo Tieren mit ursprünglich ähnlich aussichtslosen Schicksalen eine Chance gegeben wird. Die Kartenbestellungen sind aufgrund Eurer grandiosen Teilnahme für diese Aktion erstmal abgeschlossen, Spenden hierfür sind jedoch noch bis zum 1. August möglich!

Nach der Reise wird es jedoch mit voller Kraft weitergehen, es wird neue Aktionen geben und neue Karten, ich habe eine neue Reise im Hinterkopf und die Spendenaktion wird in eine neue Runde gehen!

Zu Finisterre kann ich nur sagen… wär ich mal in Muxia geblieben. 😉 Es ist wirklich schön hier, der Sandstrand, das Meer…. aber man merkt deutlich, wie viel mehr Tourismus hier stattfindet, viel vollere Herbergen, Verkehrslärm, Pilger überall… das ist ganz ungewohnt nach den vielen Tagen Ruhe und (schöner) Einsamkeit. (ein weiteres Argument für den Camino Del Norte! 😉 )

Dazu, und das hab ich ja fast schon kommen sehen, nur das Bauchgefühl ignoriert, erinnert mich die ganze Stadt an letztes Jahr, als ich mit meinem Exfreund hier war.

Nicht in Form von nostalgischen Rückblenden sondern es fühlt sich einfach unangenehm an…

Nichtsdestotrotz bleibe ich heute noch eine zweite Nacht, werde heute noch weiter zeichnen und den Sonnenuntergang am Leuchtturm kann ich mir ja eigentlich nicht entgehen lassen.

Immerhin ist dies das Ende meiner Reise, ich hab vor der Tür einen Sandstrand, einen Leuchtturm und dazu 30 Grad und Sonne… was will man mehr?

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