Im Juni und Juli war ich ohne große Ersparnisse und mit minimalem Budget sieben Wochen auf dem Camino Frances unterwegs und habe dabei auf dem Blog von meinen Erlebnissen, den Up’s and Down’s und der Spendenaktion zugunsten des Lebenshofs „Land der Tiere“ berichtet.

Nun geht es an die Fakten, letzte Woche gab es meine kleine Liebeserklärung an den Minimalismus, und warum diese Art zu Reisen den Weg für mich perfekt gemacht hat. Heute wird es um meine Packliste gehen.

Auf geht’s!

Mein Lebensstil hättte auch vor dem Jakobsweg schon als minimalistisch bezeichnet werden können.

Bei Umzügen findet mein gesamter Besitz in 3 Umzugskartons Platz, ich fahre ein auf Singlespeed Rennrad ohne unnötige Bauteile und habe meinen Kleiderschrank und Möbel auf das Notwendige reduziert. Wenn Neuanschaffungen anstehen, informiere ich mich vorher genau, um in Qualität zu investieren die lange hält, und warte dann meist auf ein Angebot oder eine günstige Gelegenheit.

Trotzdem war die Erfahrung, fast zwei Monate aus dem Rucksack zu leben und bei jedem Schritt das vollständige Gewicht der Ausrüstung auf meinen Schultern zu spüren vollkommen neu für mich.

Das Gefühl, nichts weiter zu benötigen als die paar Dinge die man im Rucksack auf seinen Schultern trägt ist unbeschreiblich…

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Jedes Stück Besitz bringt (so sollte es sein) einen Nutzen, aber auch Verpflichtungen mit sich und macht ein wenig schwerer.

Dies wird einem auf dem Jakobsweg oder jeder anderen Backpackingreise schnell bewusst, ist der Rucksack zu schwer, kommt man nur langsam voran, riskiert Schmerzen und strapaziert seine Gelenke.

Umso wichtiger, vor dem Start der Reise genau zu überlegen was man wirklich einpacken muss!

Und währenddessen hin und wieder zu checken, ob man wirklich alles benötigt, was man dabei hat.

Dazu habe ich das Ganze noch etwas weiter getrieben und war sehr effektiv darin, Gegenstände zu verlieren, zu vergessen oder ungewollt liegenzulassen, was zur weiteren Minimierung der Ausrüstung führte… 😉

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Meine Packliste

Kleidung

  • Wanderschuhe Ferrox GTX MID von Lowa, bequem, lederfrei, vegan und superleicht! Ich hatte fast keine Probleme mit Blasen oder Fußschmerzen und war vor allem bei langen oder anspruchsvolleren Etappen froh, einen Schuh am Fuß zu haben der vor dem Umknicken schützt. Der beste Schuh den ich mir hätte wünschen können und großes Glück, so ein perfekt sitzendes Modell gefunden zu haben!
  • 2 1 Paar leichte Laufsocken von Falke, frei von Merinowolle und damit vegan, kann absolut nichts negatives über die Socken berichten, nur eine Socke war gegen Ende der Reise am Bund etwas eingerissen. Im Laufe der Reise ein Paar verloren was okay war, abends beim Duschen die Socken mitgewaschen und sie waren am nächsten Morgen wieder getrocknet. Mit 18 Euro pro paar eine kostspielige Anschaffung doch ohne Füße keine Wanderung, daher ist Geld in hochwertige Socken gut und richtig investiert.
  • 3 2 Unterhosen, eine davon auch auch als Bikini Unterteil nutzbar. Auch hier hab ich eine verloren, zwei haben jedoch auch gereicht.
  • 1 BH, auch als Bikini-Top nutzbar
  • 1 T-Shirt mit Polyesteranteil, verloren
  • 1 Baumwolltop
  • 1 kurze Wandershorts, da ich die Taschen nie benötigte würde ich bei der nächsten Reise wahrscheinlich nur eine ganz leichte, kurze Trainingshose mitnehmen
  • 1 Yogaleggins, verloren und schmerzlich vermisst, auch wenn es so warm war dass ich nicht mehr auf die lange Hose angewiesen war, gerade abends wäre eine lange Hose schön zur Abwechslung gewesen
  • 1 Nylonstrumpfhose, als zusätzliche Isolierung bei kühlerem Wetter wirkt sie Wunder und spart Gewicht! Musste sie allerdings nach dem Bettwanzendilemma entsorgen.
  • 1 kurzer Einteiler (Strampelanzug 😉 ), für nachts, abends und wenn die Wanderklamotten trockneten
  • 1 Kapuzenjacke aus dicker Baumwolle, bequem und warm, allerdings nicht atmungsativ, relativ schwer und sehr langsam trocknend
  • 1 Regenhose und Wind-/Regenjacke, nie benötigt, würde um die Jahreszeit auf dem Frances nächstes Mal beides zuhause lassen, stattdessen die Kapuzen-Baumwolljacke durch eine Funktionsjacke ersetzen
  • 1 Cap
  • 1 etwas größeres dünnes Tuch, in der ersten Zeit hab ich es auch als zusätzliche Decke benutzt, später verloren
  • 1 Buff-Tuch, würde es nächstes Mal zuhause lassen und dafür wieder ein größeres leichtes Tuch mitnehmen
  • Sonnenbrille

DSC06343.JPGAusrüstung

  • kleines Reisehandtuch, ca 20x30cm groß. Nicht komfortabel aber ausreichend.
  • Reiseführer „Hiking the Camino de Santiago“, Edition 2014
  • Credencial, das Heft welches einen als Pilger ausweist und berechtigt in den Herbergen zu übernachten. Hiermit sammelt man Stempel für die man, falls gewünscht, in Santiago seine Compostela bekommt, eine Urkunde dass man den Weg erfolgreich abgeschlossen hat
  • 1 dicht schließende Tupperdose, sehr praktisch beim günstigen und minimalistischen Reisen!
  • Reisebesteck, verloren und durch einen normalen Löffel und Gabel ausgetauscht *räusper*
  • schweizer Taschenmesser, verloren, aber ein einfaches Klappmesser war für mich auch ausreichend
  • Klappmesser
  • 1L-Wasserflasche von Nalgene, BPA-frei und vollkommen ausreichend wenn man drauf achtet, sie immer befüllt zu halten. Es gibt viele Brunnen oder Cafes am Weg, wo man sich Wasser abfüllen kann.
  • Kopfhörer, verloren und hin und wieder vermisst, wirklich doll jedoch eigentlich nur auf der Rückreise
  • kleine Stirnlampe, verloren und ganz und gar nicht vermisst, im Gegenteil! Jedes Mal Mordgelüste bekommen wenn morgens um fünf in einem halbhellen Zimmer Pilger anfingen mir mit ihren Kopflampen in Scheinwerferqualität ins Gesicht zu leuchten- wer zur Hölle braucht diese Teile?!

DSC05547.JPGSchlafen

  • Inlet aus ägyptischer Baumwolle, nur 250g schwer, dafür Null Wärmeleistung, in den ersten Wochen hab ich nachts wie verrückt gefroren…später war es wärmer und kein Problem mehr.
  • selbstgenähter Kissenbezug von einer lieben Kollegin, mit z.B. der Jacke befüllt eine super Alternative zu den in den vorhandenen Kissen. Nicht unbedingt notwendig, aber praktisch und hygienischer als die Wanzenschleudern in manchen Herbergen 😉

DSC08058Kosmetik

  • je 1 Reiseflasche Shampoo und Spülung, später verloren und durch 1 Stück Seife ersetzt. Nächstes Mal würde ich nur ein Stück Haarwaschseife (z.B. von Lush) mitnehmen und für Haare, Körper und Klamotten benutzen.
  • 1 Tube Reisewaschmittel, unnötig (Seife und Handwäsche plus alle paar Tage richtig in einer Waschmaschine durchwaschen hat ausgereicht)
  • Fettcreme, für Füße und evtl. Sonnenbrand
  • Mascara
  • Makeup mit Sonnenschutz, hab es vor der Abreise geschenkt bekommen, war jedoch leider allergeisch darauf- alle Produkte vor der Abreise austesten! Dazu empfand ich es später auch nicht mehr als notwendig.
  • Augenbrauenstift
  • Feile
  • Kamm
  • Zahnbürste + Reisetube Zahnpasta
  • Pckg Taschentücher

wp-1472406676636.jpgTechnik

  • 12-Zoll Tablet „Xperia Z3 kompakt“ mit Schutzhülle und Tastatur: wasser- und staubdicht, leicht und dünn, mein „Arbeitsplatz“ während der Reise 🙂
  • Sony Cybershot-Kamera DSC-TX30, wasserdicht, staub- und stoßfest, leicht und klein… unzerstörbar und treuer Begleiter schon seit Jahren. Die Fotoqualität empfinde ich als i.O., für die nächste Reise werde ich jedoch „aufrüsten“.
  • Speicherkarte mit Adapter, um die Fotos aufs Tablet zu laden und schon während der Reise auf Dropbox sichern zu können
  • USB-Ladegerät, mit Anschluss für Tablet und Kamera
  • Lebara Prepaid-Karte zum Surfen, 2 GB für 10 Euro, am Flughafen in Pamplona gekauft und gleich installieren lassen, aufgrund der Arbeit am Blog etc. Gold wert, ansonsten reicht wohl auch das (oft langsame) Wlan welches in fast jeder Herberge und Cafe verfügbar ist

DSC07142Tragen

  • Rucksack „Bach Shield 38″, ich liebe ihn! Das Gewicht lag bei mir fast komplett auf der Hüfte, sodass ich weder Schulterschmerzen noch Verspannungen hatte. Dazu besitzt er eine spezielle Platzaufteilung: ein Kompartiment erreicht man ganz normal durch die obere Öffnung, das zweite, indem man die komplette Vorderseite hochklappt. Ich trug in der oberen Hälfte das Zeichenmaterial und die Postkartenrohlinge, die untere nutze ich wie eine Reisetasche für die restliche Ausrüstung.
  • leichte Kosmetiktasche, um noch etwas Gewicht zu sparen hätte man sie gegen eine einfache Plastiktüte austauschen können. Ich mag sie jedoch sehr gern und hab in ihr sämtliche Kosmetik- und Duschsachen und sogar mein kleines Reisehandtuch verstauen können.
  • 1 Zip-Gefrierbeutel, als Auslaufschutz für die Duschsachen
  • Bauchtasche, für Portmonee, Credential, Reiseführer, Sonnenbrille und Fotoapparat
  • Portmonee mit Bargeld, weiterhin hatte ich meine Krankenkarte, Kreditkarte und Bankkarte dabei
  • 2 ultraleichte wasserdichte Beutel von Sea to Summit und Osprey für die Klamotten und die Stifte- damit herrschte himmlische Ordnung in meinem Rucksack (kommt bei mir sonst nicht so oft vor 😉 )
  • 2 hochwertige Dokumentenschutzhüllen von Ortlieb für das Zeichenpapier und die Karten

DSC06185Reiseapotheke

  • OHROPAX! Seeeeeeeeeeehr wichtig…
  • ein paar Pflaster
  • Kontaktlinsenbehälter und Reiseflasche Kontaktlinsenflüssigkeit, Ersatzlinsen
  • Brille + Etui
  • 1 Asthmaspray, später verloren, das war doof, mit Milbenallergie. Sonst benötige ich es nie, aber in einigen Herbergen hab ich geklungen wie Darth Vader.
  • Kortisoncreme, gegen Neurodermitis, kostet in Spanien übrigens viel weniger als in Deutschland
  • ein paar Schmerztabletten

DSC06968.JPGZeichenmaterial

  • ca. 50 professionelle Marker auf Alkoholbasis (Stylefile, Graphmaster, Touch Twin)
  • schwarze Fineliner und Edding
  • weißer Kugelschreiber und Edding
  • Bleistifte, Radiergummi, Anspitzer
  • Geodreieck
  • Schere
  • 4 Pakete Postkartenvorducke à 20 Postkarten, 300g/m³ Aquarellpapier
  • hochwertiges Aquarellpapier, 1 großer Block

Das Papier und die Stifte waren bei Weitem die schwersten Dinge in meinem Rucksack und brachten ein Plus an 2-3kg. Ohne hätte mein Rucksack halb so groß sein können! 😀

Was ich das nächste Mal einpacken werde:

  • evtl. Anti-Bettwanzen-Bettlaken, gibt es im Internet zu bestellen und dient als Abwehr gegen Ungeziefer sowie Hygiene-Maßnahme auf den oft nicht sehr frischen Betten
  • leichter Schlafsack, nachts hatte es Mitte Juni Temperaturen bis zu 10 Grad, gerade in Herbergen welche sich in alten, dicken Gemäuern befinden hab ich die ersten Wochen daher mit meinem Inlet richtig doll gefroren. Nicht überall gibt es Decken und wenn, muss man entscheiden ob man das Wanzenrisiko eingehen will. Ab Burgos war es jedoch gar kein Thema mehr und auch nachts um die 20-25 Grad. Das nächste Mal würde ich noch mal genau überlegen, ob ich nicht doch das zusätzliche Gewicht in Form eines guten Kunstfaserschlafsacks mitnehme.
  • evtl. leichte Barfußschuhe oder Flipflops

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Ich bin froh, im Vorfeld Geld in ein paar hochwertige Ausrüstungsgegenstände investiert zu haben, vor allem in die Schuhe und den Rucksack.

Jedoch sollte man sich auch nicht abschrecken lassen wenn man nicht das Budget hat um in teure Ausrüstung zu investieren! Solang der Rucksack bequem sitzt, kann man auch in ganz normalen, bequemen (Lauf)Schuhen und Klamotten gehen, auch ein ultraleichter Schlafsack ist nicht unbedingt notwendig.

Es haben schon Millionen Pilger den Weg ohne Funktionswäsche und die goldene Kundenkarte bei Globetrotter geschafft 😉

Ich habe meinen Rucksack nicht gewogen, doch das Schwerste am Inhalt waren definitiv die Stifte und das Papier. Jedes Mal, wenn ich ein paar Karten abschickte, konnte ich fühlen wie er etwas leichter wurde! Zum Gewicht kamen noch Wasser und oft Essensvorräte für den nächsten Tag oder die nächste Malzeit hinzu. Beim Rückflug zeigte die Kofferwaage am Check-In nur 6,8 kg an, trotz Zeichenmaterial und Tablet! Ein ziemlich guter Wert würde ich sagen.

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Die Grenze des minimalitstischen Packens spürte ich, als mir gegen Ende der Reise das verbleibende Top und die Shorts, die ich aufgrund der verlorenen Wechselklamotten wochenlang jeden Tag getragen und abends gewaschen hatte, wirklich nicht mehr sehen konnte.

Sie nervten mich richtig, und zurück zuhause war ich so froh endlich mal wieder in eine lange Hose zu schlüpfen! Nächstes Mal werde ich also auf jeden Fall wieder eine lange und eine kurze Hose, ein langes Oberteil/Jacke und zwei Tops oder Tshirts, dazu wieder ein ganz leichtes Kleid oder einen Einteiler mitnehmen. Auch auf ein Minimum an Schminke wollte ich nicht verzichten, die Kamera und das Tablet waren essentiell für meine Arbeit am Blog.

Das macht den Minimalismus für mich aus! In sich hineinhören auf was man verzichten möchte und wo die Grenzen des Wohlbefindens liegen.

Ich habe versucht, meinen Rucksack so zu packen, dass jeder Gegenstand darin seinen Nutzen hatte und mir am Herzen lag, sodass ich jedes Gramm Gewicht gerne trug anstatt dass es sich wie eine „Last“ anfühlte. Eine gute Entscheidungshilfe beim Aus- und Einsortieren, wie ich finde!

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Das war mein ausführlicher Artikel zu meiner Packliste. Vermisst Du etwas, oder hättest Du etwas weggelassen? Schreib mir Deine Erfahrungen gern in die Kommentare!

3 Comments

  1. Hi Dani

    Tolle neue Seite – bei mir geht’s bald los – 13. Mai – freu mich total 🙂

    Lg Luca

    • Daniela Reply

      Vielen Dank! 🙂 Ich arbeite unter Hochdruck daran, dass sie bald ganz fertig ist, irgendwie gibt es dann doch immernoch Dinge, die anfallen, die ein oder andere Nachtschicht steckt bereits hier drin 😉
      Wow, der 13. Mai ist ja schon ganz bald! Wird es der Camino Frances? Ganz viel Spaß auf der Reise! 🙂

  2. Witzige Vorstellung, dass man nur noch mit der Hälfte des Equipments zurück kommt, weil man alles verloren hat 😀
    Sehr sympathisch! Cooler Blog!

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