Eine lange Reise steht an. 

Monatelange Vorbereitungen und Aufregung. Dann die Freude, endlich im Flugzeug, es geht los! Das Gefühl, die nächsten Wochen auf Reisen würden ewig gehen…

So viele Erlebnisse und Eindrücke jeden Tag. Dazu ein Leben völlig im eigenen Rhythmus, nur tun was man selbst will, keine Kompromisse. Zeit für sich selbst und die innere Stimme. Sich, wie in meinem Fall mit dem Blog, seinen Herzensprojekten widmen, nicht neben dem Vollzeitjob, sondern mit ganzer Kraft.

Und dann… ist die Reise auch schon wieder vorbei.

So schnell geht das! Wieder im Alltag, alles wie vorher. Doch halt, etwas hat sich verändert-

Du selbst! 

Am ersten August kam ich nach knapp zwei Monaten Wandern auf dem Jakobsweg und Zeichnen für die Spendenaktion, welche ich auf dem Weg ins Leben gerufen hatte, wieder zurück in Hamburg an.

Wie ist es mir seitdem ergangen? Ein Lagebericht.

TAG 1

Landung in Berlin. Fahrt durch die Stadt zum Busbahnhof, Aufatmen. Endlich nicht mehr der Paradiesvogel. Kein Schwein interessiert sich für meine Tattoos! Ganz ungewohnt nach den ständigen Blicken in Spanien. Dafür ganz schön kalt. Hamburg begrüßt mich -wie soll es anders sein- bei der Ankunft mit dem Fernbus mit einem kräftigen Regenschauer. Das wars dann wohl mit täglich 25 Grad und Sonne.

Am ZOB wartet mein Freund auf mich und schließt mich in die Arme.

Hat mir extra vegane Wraps gemacht, falls ich hungrig bin nach der langen Fahrt. Traummann! Eigentlich ist mir jedoch nur kotzübel und ich fühle mich als wenn ich 100 Stunden schlafen müsste. Die Wraps waren trotzdem lecker. 😉

Gemeinsame Fahrt zu ihm. (Mein WG-Zimmer hatte ich einige Wochen vor der Reise gekündigt und die neue Wohnung musste erst noch bezogen werden, in der Zwischenzeit war ich bei ihm im Zimmer untergekommen)

Alles sieht exakt aus wie zum Zeitpunkt meiner Abreise. Wie lang war ich noch mal weg? Ausgiebiges Duschen und rasieren- die Zivilisation hat mich zurück! Einige Wäschestücke wandern direkt in den Müll, große Freude darüber wieder mehr Kleidung zur Verfügung zu haben als die Short und das Top. Davon abgesehen fühlt sich alles noch ungewohnt an.

Die ersten Tage

Bewusstes Ignorieren aller Verpflichtungen am ersten Morgen nach der Ankunft.

Stattdessen Breaking Bad im Bett schauen mit meinem Freund. Da er fünf Tage später in sein eigenes 2-monatiges Abenteuer aufbrechen wird der Versuch, bis dahin noch möglichst viel Zeit gemeinsam zu verbringen. Trotzdem allgemein ziemlich erledigt und irgendwie „neben der Spur“.

Abends dann zur Dienstbesprechung, Start in den Arbeitsalltag nach weniger als 24 Stunden.

Um meine Minusstunden aufzuarbeiten wird sich meine wöchentliche Stundenzahl erhöhen, dazu bekomme ich zusätzliche Aufgaben, in die ich mich die nächsten Wochen einarbeiten muss. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, einen Gang zurück zu schrauben…

Den nächsten Morgen gleich wieder zur Arbeit: die erste Baristaschicht im Cafe nach acht Wochen. Die Telekom hat an diesem Tag unser Internet lahmgelegt, damit auch das Kassensystem und die Kasse. Wir behelfen uns damit, alle verkauften Produkte per Hand zu notieren und unser Trinkgeld vom Vortag als Wechselgeld zu verwenden. Was für ein erster Arbeitstag.

Immer wieder kommt mir der Gedanke: Was mache ich hier? 

Nicht erst seit seit der Reise steht der Entschluss fest, ich will weiter kreativ sein, und zwar irgendwann nicht mehr nur nebenbei, sondern hauptsächlich. Dafür benötige ich jedoch Zeit und Energie.

Noch wirft weder der Blog noch das Zeichnen Gewinn ab, dafür wird es noch viele Stunden an Arbeit und Übung benötigen.

Doch woher die Zeit nehmen, wenn ich nicht mal eine Woche nach der Rückkehr all meine Ressourcen bereits wieder darauf verwende über die Runden zu kommen? Alle weiteren Schritte liegen klar vor mir, nur wo ist die Zeit dafür? Ich bin deprimiert.

Dazu das permanente Gefühl, mich selber aus der Vogelperspektive zu beobachten, wie in einem Film. Mein Körper ist wieder zuhause, nur mein Kopf hat das noch nicht verstanden…

Die erste Woche

Am Wochenende nach meiner Ankunft ist meine Freundin zu Besuch da. Es ist so schön eine weitere der wichtigsten Personen in meinem Leben um mich zu haben, doch irgendwie fühle ich mich auch als würde ich niemandem gerecht werden können- meiner Freundin nicht die extra aus Jena angereist ist um Zeit mit mir zu verbringen, nicht meinem Freund, den ich am Tag seiner Abreise nicht mal zum Bahnhof bringen kann da ich zur Arbeit muss, nicht der Arbeit, weil ich noch nicht wieder die gewohnte Leistung bringen kann.

Sonntag Abend beziehe ich meine neue Wohnung. Mein Rucksack, meinem treuen Begleiter in den letzten Wochen, voll mit Klamotten, mein Rad und die technischen Geräte. Die restlichen Kartons lagern weiterhin bei meinem Freund, ich muss mich die nächsten Wochen darum kümmern.

Erstes Aufatmen.

Endlich wieder eine Ruhezone, eine eigene Matratze, ein (wenn auch wieder nur temporäres) Zuhause. Dazu liegt es im Grünen etwas außerhalb der Stadt, himmlische Ruhe, Nähe zum Wasser und Blick ins Grüne! Das brauche ich.

Nach zwei Wochen

Seit ein paar Tagen das Gefühl wieder wirklich „angekommen“ zu sein. Das sich selbst aus der 3. Perspektive beobachten hat sich gelegt. Auch der Stress der ersten Tage hat etwas abgenommen, durch die Wohnung habe ich einen Rückzugsort und auf Arbeit bin ich wieder im Rhythmus. Hallo, Alltag.

Ich merke, dass ich die Tage nach der Ankunft am Rande meiner Kräfte war, was sich auch körperlich gezeigt hat.

Feuchte Augen bei jeder Gelegenheit, dazu vor allem in der ersten Woche Schwindelanfälle und Kreislaufprobleme, kribbelige Hände und Füße, Zittrigkeit und Sehprobleme… I know, doesn’t sound too good 😉

Erst dachte ich, ich hätte mir einen Nährstoffmangel zugezogen, doch mittlerweile hat sich das Problem größtenteils gelegt und ich denke, dass es psychischer Natur war. Zu viel auf einmal…

Ein wenig macht es mir Angst, wie schnell man sich wieder mit dem alten Trott arrangiert. 

Dabei hatte man doch auf der Reise so viele Erkenntnisse gesammelt!

Auf dem Jakobsweg hatte alles so klar vor mir gelegen. Meine Wünsche, was die nächsten Schritte sein werden. Doch nun ärgere mich erneut darüber, dass ich nun wieder sowenig Zeit für den Blog habe und überlege, wie ich den Tag besser einteilen kann. Ich muss weiterhin darauf achten, Prioritäten richtig zu setzen und im Zweifel auch mal Nein zu sagen um den Traum nicht aus den Augen zu verlieren.

Im Nachinein weiß ich: Nach Hause kommen ist nicht einfach!

Es tut sich viel zu viel auf so einer Reise als dass man direkt wieder funktionieren könnte wie zuvor. Oder wollen würde. Gern hätte ich noch ein paar Tage mehr gehabt um die Gedanken zu ordnen, Organisatorisches wie z.B. Arzttermine oder Amtsbesuche zu erledigen, etc. Fürs nächste Mal weiß ich‘s!

Es gibt den Spruch, das man ein Puzzleteil in seinem Leben ist, das nach der Rückkehr nicht mehr so ganz passt.

Ich werde mir einfach das Puzzle passend machen… Sollte doch gelacht sein nach 850 zu Fuß zurückgelegten Kilometern. 

In den nächsten Tagen werde ich die verbleibenden Kartenbestellungen fertigstellen und absenden, bitte hab noch wenig Geduld, falls Dein Exemplar noch nicht bei Dir angekommen ist!

Alle Bilder stammen aus dem Garten meiner Eltern.

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