Heute ist es wieder soweit. Vor dem Einschlafen letzte Nacht habe ich den Wecker gestellt- und das an meinem freien Tag! Ich schlüpfe in die Wanderschuhe und sattle den Rucksack, meine treuen Begleiter seit über 1000 Kilometern. Ich fühle mich, als würde ich damit in eine andere Realität versetzt.

Ein Tag Wandern

Mit jedem Schritt aus der Tür und zur Bushaltestelle fühle ich mich leichter. 

Seit Wochen bin ich nicht mehr unterwegs gewesen, doch heute, am ersten strahlend blauen Frühlingstag mit über 20 Grad in Hamburg, habe ich ein Ziel vor Augen: die erste Etappe des „Heidschnuckenwegs“, dem norddeutschen Fernwanderweg, der auf 223 Kilometern von Hamburg nach Celle führt. 

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Stille

Wenn man in der Stadt wohnt, nimmt man die vielen Geräusche, Gerüche und die Enge zu Menschen nicht mehr bewusst wahr. Die sind Füße an Beton und Teppich gewöhnt, und oft ist der Arbeitsweg die einzige Gelegenheit des Tages für ein wenig Frischluft.

Ich verlasse die S-Bahn in Hamburg-Fischbek und betrete nach nicht mal 50 Minuten Anreisezeit den Startpunkt des Weges.

Ruhe. Sonne im Gesicht. Die wenigen Menschen die aus der Stadt kommen und mit mir die Bahn verlassen scheinen genauso froh wie ich, zurück im Grünen zu sein.

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Ich halte Ausschau nach dem Symbol, welches mir ab nun für die nächsten 26 Kilometer den Weg weisen wird: ein weißes „H“ auf schwarzem Grund. 

Nach ein paar Minuten erreiche ich den offiziellen Startpunkt des Heidschnuckenweges und trete vom Wohngebiet direkt ein ins Naturschutzgebiet. Ich bleibe kurz stehen und kann nicht anders: ich muss sofort die Kamera aus der Tasche holen… ich hatte ganz vergessen, wie fremd und wunderschön die Heide wirkt.

Der Boden unter mir ist ganz weich von Kiefernnadeln des letzten Jahres.

Um mich herum Hügel und Täler die vollkommen bedeckt sind von Heidepflanzen und vereinzelten Birken. Alles summt, es riecht nach Nadelwald und Holz. Im Moment ist alles noch braun, doch im Spätsommer und Herbst muss der Anblick der lila-blühenden Sträucher überwältigend sein.

Der Weg ist hervorragend ausgeschildert, fast zu einfach machen es einem die „H“s und „X“e, die am Anfang alle paar Meter die Richtung weisen.

Durch diesen Teil der Heide führen verschiedene Fernwanderwege, sodass man aufpassen muss, auch dem richtigen Wegweiser zu folgen. Im Laufe des Tages werden die Zeichen etwas weniger werden, doch alleingelassen wird man an keiner Stelle, sodass der Weg auch ohne Karte und Navigationskenntnisse machbar ist.

Am Ende des Tages werde ich mir trotzdem den Outdoor-Reiseführer zum Heidschnuckenweg bestellen, einfach weil ich das Gefühl mag, beim Gehen das Buch in der Hand zu haben und ungefähr zu wissen, an welcher Stelle des Weges ich mich befinde. (Und es außerdem bis Tagesende geschafft haben werde, ganze drei Mal meine Wegbiegung zu verpassen…ich würde mich sogar in meiner eigenen Wohnung verlaufen, wenn sie mehr als ein Zimmer hätte 😉 )

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Schritte

Langsam ändert sich die Landschaft.

Heideflächen werden von Laub- und Mischwald abgelöst. Schritt für Schritt gehe ich allein voran und lasse meine Gedanken schweifen. Beim Wandern geht es mir wie beim Laufen, durch die Gleichförmigkeit der Bewegung und die Zeit alleine in der Natur fällt es mir leichter, meine Gedanken zu ordnen und Probleme lösen.

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Die Laichmatrosen

Der kleine Teich, den ich erreiche, ist kein offizieller Teil des Weges.

Genaugenommen habe ich mich gerade das erste Mal am heutigen Tag verlaufen und versuche gerade, auf den richtigen Pfad zurückzufinden. Doch manchmal hat man Glück, auch wenn es nicht nach Plan läuft. Am Teich steht ein junges Pärchen mit einem kleinen Kind, alle drei starren wie hypnotisiert auf den Tümpel… Okay, denke ich, jedem sein Hobby.

Aber als ich näher komme, beginne ich ein lauter werdende summende Geräusch zu identifizieren und plötzlich fällt mir auf: der ganze Teich ist randvoll mit Fröschen und Laich! Scheinbar direkt in eine Froschorgie reingeraten. Ist das noch kindgerecht? 😉

Die Frösche lassen sich jedenfalls nicht beirren und setzen ihr Treiben ungehemmt vor unseren Augen fort.

Idylle

Nach circa der Hälfte des Weges beginnt der Wald sich zu lichten, und ich passiere ein paar kleine malerische Dörfer und Siedlungen.

Ich bin zwar selbst in Niedersachsen geboren, doch beim Wandern entdecke ich meine Heimat jedes Mal neu und nehme dann erst richtig wahr, wie malerisch und schön es hier an so vielen Orten ist. Landleben wie aus dem Bilderbuch! Aus den Häusern kommt der Geruch von Bratkartoffeln und selbst die an mir vorbeiziehenden Jogger riechen nach frisch gestärkter Wäsche. 😉

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Das alte Spiel

Da ich (natürlich) mal wieder unvorbereitet mit nur einer Tüte Studentenfutter und einer kleinen Flasche Wasser gestartet bin, bin ich langsam am verdursten… gut, dass mir hilfsbereite Menschen, die mit der Gartenarbeit am Wegesrand beschäftigt sind, schnell die Wasserflasche wieder auffüllen.

Wie auch auf der niedersächsischen Via Baltica muss man sich auf dem Heidschnuckenweg wohl darauf einstellen, dass sich unterwegs keine Möglichkeiten bieten, selber Wasser aufzufüllen und man nur mit sehr viel Glück mal einen Laden oder Kiosk passiert.

Man muss also entweder ausreichend Verpflegung für den Tag mit sich tragen, oder sich ein Herz nehmen und die Gelegenheit nutzen nach Leitungswasser zu fragen, sobald man eine Siedlung passiert. Mir ist das immer etwas unangenehm und ich muss mich noch darin üben, die sich bietenden Chancen dafür dann auch wirklich zu ergreifen.

Aber im Endeffekt freut sich glaub ich nun wirklich Jede*r, einem verdurstenden Wanderer mit ein paar Schluck Leitungswasser aushelfen zu können, oder? 🙂

Genauso verhält es sich mit „Nach dem Weg fragen“. Auch heute hätte ich mir den ein oder anderen Umweg sicher sparen können…hätte ich mich jedesmal gleich getraut, mir entgegenkommende Wanderer nach dem Weg zu gefragt, wenn ich meine Abzweigung gerade mal wieder verpasst hatte, ich hätte mir sicher den ein oder anderen Kilometer erspart.

Aber gerade das macht Wandern für mich aus: die vielen kleinen Herausforderungen, für deren Lösung es einfach nur ein wenig Mut und einen sicheren Schritt benötigt!

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Etappenziel

Nach und nach wird der Weg belebter, Siedlungen wechseln sich ab mit Feldern und Waldstückchen, kurz vor Buchholz quert man sogar die Autobahn und einen riesigen Sandbruch.

In Buchholz kann man die Gelegenheit nutzen, sich in ein Cafe oder Restaurant zu setzen, oder übernachten, falls man mehrere Tage auf dem Weg verbringen möchte. Die Beschilderung führt einmal quer durch die Stadt und auch direkt am Bahnhof vorbei.

Infos zum Heidschnuckenweg Etappe 1

  • Die An- und Abreise ist denkbar einfach: hin von Hamburg mit der S3 bis Fischbek, zurück mit der Bahn nach Harburg oder zum Hauptbahnhof. Der Zug fährt zwei Mal die Stunde und kostet knapp 7 Euro.
  • Es geht ohne, aber mit Karte ist es entspannter. Der Outdoorverlag bietet einen Wanderführer zum Heidschnuckenweg an, dazu war mir diese Seite hier sehr hilfreich: Wanderkompass  (einfach ein paar Screenshots mit dem Handy von der Karte machen oder ausdrucken, so ist man auch nicht vom – meist nicht vorhandenen – Internetempfang abhängig)
  • Es gibt auf der Strecke keine Einkaufsmöglichkeiten oder Trinkwasserbrunnen.
  • Der Weg ist größtenteils eben, wem 26 km als Wanderetappe zu lang sind, kann ihn auch mit dem Fahrrad befahren!
  • Je nach Schritttempo sollte man eine ungefähre Wanderzeit von sieben bis neun Stunden einplanen. (Ich war relativ gemütlich unterwegs, habe viele Fotos und eine kleine Pause gemacht und habe neun Stunden dafür benötigt.)

Ich habe mir vorgenommen, den Heidschnuckenweg in den nächsten Wochen in Einzel- und Mehrtagesetappen komplett zu laufen und werde weiter berichten. Teile mir  Deine Meinung und/oder Erfahrungen gern in den Kommentaren mit!

Heidschnuckenweg wandern

5 Comments

  1. Pingback: Wandern auf dem Heidschnuckenweg Etappe 2: Die Mondlandschaft der Gebrüder Grimm – Freundinfreiheit

  2. Hey Dani,
    ich freue mich sehr, dass ich dein Blog gefunden habe – genau so ein Wanderaustausch über Strecken um HH rum habe ich mir seit paar Monaten gewünscht, und dann dein Link zum Weg auf einer FB Wandergruppe gefunden.
    Ich glaube, dieses WE fang ich an mit der Etappe 1 auf dem HSW.
    Grazie Mille für die Inspiration also! 😉
    Dorija

    • Daniela Reply

      Hey liebe Dorija,

      das freut mich riesig! 🙂 Viel Spaß auf der ersten Etappe, sag gern mal Bescheid, wie es Dir gefallen hat! Ich kann auch schon gar nicht mehr erwarten die nächsten Etappen anzugehen 🙂

  3. Liebe dani,
    Danke für deinen tollen Blog. Die erste Etappe bin ich bereits gelaufen und möchte jetzt die ganze Strecke ggf. mit Übernachtungen gehen.
    Deine Berichte machen mir Mut, den Weg allein zu schaffen.
    Liebste Grüße
    Sandra

    • Daniela Reply

      Hallo Sandra, oh toll, das freut mich,danke! 🙂

      Ich kann auch kaum erwarten,wieder loszulaufen…die nächsten Abschnitte werde ich auch an drei Tagen mit Übernachtung laufen:)
      In drei Wochen geht es weiter,hoffe ich.
      Viele liebe Grüße
      Dani

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