Dieser Artikel erschien zuerst am – 26. März 2016 – auf meinem zu der Zeit noch „ichbindani“ genannten Blog, infolge der Umstellung auf Freundin.freiheit habe ich ihn mit auf die neue Seite übertragen.
Vieles hat sich seit „ichbindani“ verändert. Verliebt in Barcelona bin ich jedoch immernoch 😉

 

Ein Wochenende Barcelona

Arrriba! Als mein Freund und ich vor Kurzem Flüge nach Barcelona gebucht haben war ich sicher dass es toll werden würde. Aber als ehemals Berlinerin geht man gern erst mal von der „immer-drei-mal-mehr“-Regel aus die besagt, dass egal in welche europäische Stadt man fährt, man das Ganze in Berlin mindestens dreimal so groß/klein/schön/hässlich/underground/angesagt auch haben kann 😉

Barcelona hat mich eines Besseren belehrt.

Und das nicht nur, weil es am Wannsee keine Palmen gibt. Die Stadt hat – nicht nur – architektonisch und kreativ gesehen eine unbändige Fülle an Highlights zu bieten.

Wir haben fünf Tage in der Stadt verbracht. Ohne Reiseführer, um die Stadt ganz frei auf uns wirken zu lassen. Hier nun eine Zusammenfassung unserer schönsten Entdeckungen und Tipps.

Die Anreise/Öffentlichen Verkehrsmittel

Günstig über Vueling und Norwegian direkt ab Hamburg, wir haben jeweils 80 Euro gezahlt, das geht auch noch billiger, zB. mit Ryanair. Immer gut wenn man einen flexiblen Reisezeitraum hat: bei Skyscanner einfach den ganzen Monat statt bestimmte Tage angeben, so bekommt man schnell einen Überblick über die günstigsten Flugoptionen.

Innerhalb Barcelonas fährt neben Bussen eine gut ausgebaute Metro (mit einer seit Februar 2016 zusätzlichen neuen Linie direkt zum Flughafen). Mit einem 10-er Ticket wird auch die Metrofahrt ab dem Flughafen abgedeckt. Davon abgesehen sind wir jedoch so gut wie jede Strecke gelaufen.

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Quelle: Wikimedia

Die Unterkunft

Ich habe über Airbnb ein Zimmer in einer WG gebucht, ziemlich zentral im zentralen Kiezviertel Raval. Die Angebote pro Nacht gehen auf der Plattform zur privaten Vermittlung von Zimmern bei 10 Euro los und open end-en.  Auf diese Weise spart man Geld und findet, sofern man selbst und der Vermieter das wünscht, gleich Anschluss und lernt das lokale Leben hautnah kennen.

Unsere Highlights

Überall ist Leben und Bewegung. Fast jeden Tag sind wir einfach umhergeschlendert und hatten jeweils nur einen groben Plan für den Tag. Das kulturelle Zentrum ist riesengroß und erstreckt sich weit über das Zentrum hinaus, gerade die eher rändlich gelegenen Viertel besitzen ihren ganz eigenen Reiz.

Dies waren unsere Highlights:

    • Die Seitengassen der östlich und westlich anschließenden Viertel El Raval und dem Barri Gotic: von Vintageparadiesen über lokale Labels bis hin zu kleinen Druckereien, Grafitti- und Skateläden ist hier alles zu finden.
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Das Barri Gotic
  • Olympia 1992 hinterließ Barcelona eine monströs-architektonische Anlage am Montjuic, dem zentral gelegenen „Hausberg“. Hier warten mehrere Stadien, der futuriste Fernsehturm Torre Telefonica, sowie eine atemberaubende Aussicht auf den geneigten Betrachter. Olympia an sich ist für mich so faszinierend wie Ringelwürmern bei der Paarung zuzusehen, die Szenerie ist jedoch wirklich beeindruckend und dieser Ausflug zählt zu meinen Highlights der Reise.
  • Der Strand , der immer leerer wird, je weiter man sich von der Rambla entfernt. Am Besten Du leihst Dir ein Rad/Tretroller/Skateboard und fährst die Promenade nach Norden. Nicht nur gibt es auf dem Weg riesige Solarpanels und eine automatische Wakeboardanlage zu beschauen, auch kommen irgendwann kleinere Parks und kaum frequentierte Strandabschnitte in Sicht, die man zumindest während unserem Aufenthalt fast für sich allein hatte.2016-04-03 16.41.42 (1)
  • Gaudi: der berühmte barcelonische Architekt war ein Kauz. Er lebte im Zölibat, seine Konstruktionen sind bestimmt von organischen und psychedelisch anmutenden Formen und trotz seiner schon zu Lebzeiten erreichten Berühmtheit wurde er aufgrund seines verkommenen Äußeren nach einem Verkehrsunfall (an dessen Folgen er schließlich verstarb) nicht erkannt und in ein Armenhaus gebracht, was letztlich zu seinem Tod führte. Seine Werke durchziehen bis heute die Architektur der Stadt.
  • Sagrada Familia: das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Gaudi hatte bis zu seinem Tod an diesem auch heute noch nicht vollendetem Monstrum von Gotteshaus geplant. Um Wartezeiten zu vermeiden kann und sollte man Tickets im Voraus über das Internet buchen.IMG_20160402_154120397.jpg
  • Parc Güell: auch dieser ist bergig gelegen und war Anfang des 20. Jahrhunderts von Gaudi und seinem guten Freund Güell ursprünglich als Art Gated Community geplant worden um ein paar Superreichen ein Leben fernab des Pöbels zu ermöglichen. Sympathisch, hm? 😉 Der Park jedoch stieß nicht auf das erhoffte Interesse und wurde schließlich von der Stadt aufgekauft und öffentlich zugänglich gemacht.Der Park bietet einen tollen Ausblick, verrückte Architektur und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Das eigentliche Highlight jedoch war der Weg dorthin: wir sind von der Sagrada Familia aus durch das Viertel Gracia und Can Baro in einem kleinen Bogen zum Park gelaufen, hier gibt es spektakuläre Treppen und Wohnhäuser, man schaut über die Stadt bis ans Meer.IMG_20160402_170455977.jpg
  • Seilbahnen und Funicular: Barcelona besitzt zwei Seilbahnen, sowie die Funicular, eine alte Standseilbahn, die den Berg hoch Richtung Olympia-Stadion fährt. Diese war zum Zeitpunkt unserer Reise jedoch aufgrund von Wartungsarbeiten außer Betrieb. Die Fahrten sind nicht ganz billig, bieten jedoch tolle Ausblicke über die Stadt und das Meer.2016-04-04 17.47.17 (1).jpg
  • Essen: allgemein, aber auch und vielleicht vor allem als Veganer muss man in Barcelona trotz der ansonsten eher fleischlastigen spanischen Küche nicht hungern. Der vegane Restaurant-Finder Happycow liefert 86 Einträge! In Raval hatten wir in 5 Minuten von unserer Unterkunft entfernt drei vegan/vegetarische Restaurants in Reichweite, u.a. das Vegetalia direkt vor der Haustür. Hier kostet das drei-Gänge-Menü des Tages schlappe 10,90 €. Als weiteres vegan-freundliches Viertel ist uns El Born aufgefallen, wo wir am Placa de Sant Pere leckere Empanadas und Ensaimadas, sowie an der Carrer dels Tiradors in einem empfehlenswerten veganen Restaurant genialen selbst gebackenen Kuchen gegessen haben.
  • Rumkommen: Roller/Fahrrad/Skateboard mieten! Bei der Hitze sowieso angenehmer und die meisten Straßen sind wie gegossen. Man sieht auch sehr viele Einheimische entspannt durch die Stadt rollern. Übrigens ist Barcelona ein Skaterparadies, besonders in Raval. Tip: Abends auf dem mit jungen Menschen bevölkertem Vorplatz des MACBA, dem Museum für zeitgenössische Kunst, Skatern bei ihren Tricks zusehen und entspannt in den Abend starten, beziehungsweise den Tag ausklingen lassen.
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    Quelle: flickr/JPCarrascal

    Pinchos und Sangria: mein Lieblingsthema. 😉 In Barcelona gibt es unzählige Bars und Kneipen, die neben Getränken auch sogenannte „Pinchos“ anbieten. Dieses sind kleine Häppchen ähnlich Tapas, nur meist aufwendiger zubereitet und auf eine Scheibe Baguettebrot gespießt. Meist in unzähligen Variationen auf der Theke aufgereiht bedient man sich selber, bewahrt die Spieße auf und der/die Kellner*in zählt sie bei der Abrechnung durch. Für Veganer hält sich die Auswahl in Grenzen, ich habe jedoch fast überall etwas gefunden. Tip: Das Pinchoparadies im Viertel Poble Sec, in der Straße Carrer de Blai. Hier reiht sich eine Bar an die nächste und Pinchos gibt es ab 1 Euro/Stück. Auch am Montag Abend waren die Läden noch bis in die Nacht belebt, was im „In-„Viertel Raval nicht der Fall war.

  • Feiern: wir waren unter anderem im Gipsy Lou in Raval, einer guten Kneipe mit Snacks und Livebands fast jeden Abend. Als die Band anfing eine für mich nicht näher zu bestimmende aber ziemlich geniale Musik zu spielen, war der Laden gerappelt voll. Eine sympathische Runde Spanier hat sich direkt zu uns gesetzt und ein Bier ausgegeben. Allgemein ist es super einfach ins Gespräch zu kommen und egal wann und wo, fast alle Leute sind freundlich und gut gelaunt.IMG_20160402_241411070.jpg
  • Streetart: auf unseren Streifzügen sind wir an jeder Ecke Graffitis und Street Art begegnet. Gerade Richtung Stadtrand wird’s bunt, schau z.B. mal hier: Streetart in Poblenou

Barcelona ist jede Reise wert. So bunt und entspannt ist kaum ein anderer Ort. Ich glaube, die Barcelonesen würden mir hier zustimmen!

Denn selten habe ich in einer europäischen Großstadt in so viele lächelnde und positive Gesichter geschaut. 🙂

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