Endlich auf dem Weg

Hier nun der zweite Teil meines Pilger Tagebuchs. Es ging endlich so richtig auf den Weg! Große Freude, als ich den ersten der gelben Pfeile entdeckte, die mich ab jetzt bis nach Santiago und Finisterre leiten würden.

Aus Porto heraus gibt es zwei Varianten: direkt ins Innenland oder am Meer entlang. Keine schwere Frage, welche Variante ich wählen würde! Die nächsten zwei Tage sollte es also maritim bleiben.Vom Konsulat aus ging es heraus aus der Stadt und Richtung Strand. Von diesem würde ich mich die nächsten zwei Tage nur selten entfernen. Gelegenheit, um Wellen zu beobachten, Sonne zu tanken… und ein Eis nach dem anderen zu schlemmen. 😉

Strahlend blauer Himmel traf auf hellblau glitzerndes Meer und endlosen, fast weißen, feinen Sand. Ein Traum!

Beim Laufen kam mir gestern und heute immer wieder der Gedanke, wieviel tolle Dinge ich in den letzten zwei Jahren auf meinen Wanderungen bereits habe erleben dürfen. Die französischen Pyrenäen, spanische Wüste, norddeutsche Kulturlandschaft und nun die wunderbare portugiesische Küste.

Das Land der freundlichen Menschen

Ich habe das Gefühl, die Jakobsweg-Goldgräberstimmung ist – obwohl ich mittlerweile auf immer mehr Mit-Pilger stoße – hier in der Gegend noch nicht angekommen. Was durchaus schön ist!

Am Camino Frances letztes Jahr gab es an jeder Ecke einen Stand oder ein Cafe, welches einem Pilgermenüs und Souvenirs zu Touristenpreisen anbieten wollte. Hier spricht zwar fast jede*r Englisch, doch ich habe das Gefühl, dass Pilger nicht als „Goldesel“ angesehen werden. Sie werden einfach in das herzliche, bestehende Miteinander integriert.

Und, was ich besonders angenehm empfinde: man schaut mir hier ins Gesicht, statt mit kritischem Blick auf meine Tattoos! Selbst in meiner Heimat, einer Großstadt wie Hamburg, ist das auch heutzutage keine Selbstverständlichkeit.

Die Portugiesen sind sogar so bemüht um mein Wohlergehen, dass ich schon mehrfach angehalten wurde, sobald ich – eigentlich gar nicht orientierungslos – mit einer Karte in der Hand die Straße entlang lief… Sie wollten sicher gehen, dass ich auch ja den richtigen Weg erwische, und nicht verloren gehe 🙂

Fast der gesamte Weg am Strand verlief über neu angelegte Bohlenwege, die mitten über die Dühnen führten. Das Wetter war perfekt zum Wandern, ein Mix aus warmer Sonne und kühlem Wind. Morgens freute ich mich zwar über meine Übergangsjacke, nachmittags brauchte es dafür Sonnencreme und ich konnte bequem in Shorts und Top wandern.

Eine Pilger Hütte ganz für mich

Mein erster Wandertag führte mich circa 25 Kilometer entlang der Küste bis zum Campingplatz „Orbitur-Angeiras“. Diesen kann ich als Übernachtungsmöglichkeit uneingeschränkt empfehlen! Begrüßt wurde ich von einer freiwiligen Helferin aus Deutschland, die mich für 8 Euro in eine kleine Hütte verwies, welche zwei Pilger*innen beherbergen kann. Als bis 10 Uhr Abends keine Mitbewohnerin auftauchte, zog ich von der Couch auf das große Doppelbett und hatte somit eine ganze Hütte für mich allein.

Ich bereitete meine Sachen aus und freute mich auf eine Nacht so ganz ohne Schnarchgeräusche und Tütenraschler um 05:30 Uhr 😉

Das Wasser immer links

Am nächsten Tag führte meine Strecke mich von Angeiras circa 10 Kilometer nach Vila do Conde. Bei weiterhin strahlendem Sonnenschein ging es, immer auf den Holzbohlenwegen, quer durch die Dühnen und entlang des Strandes.

Da ich immernoch genug Zeit habe, lasse ich den Weg entspannt angehen und halte die Streckenlängen relativ kurz. Bis auf die Sache mit dem Portmonee gibt es bisher wirklich nichts, worüber ich klagen könnte… meine Ausrüstung passt, die Schuhe passen perfekt, das Wetter ist super, die Leute sind nett… was will man mehr? 🙂

Hier findet du den ersten Teil meines Pilger Tagebuchs vom Caminho Portugues.