Ein weiterer Jakobsweg

Meine diesjährige größere Wanderung führt mich nach Portugal und Spanien, auf den sogenannten Portugiesischen Jakobsweg Caminho Portugues. Auf ungefähr 250 Kilometern Länge geht es von Porto nach Santiago, dann nochmal circa 100 Kilometer weiter zu Fuß nach Finisterre. (Mittlerweile weiß ich, dass wohl noch circa 50 Kilometer Umweg nach Vigo dazukommen werden, aber dazu später).

Der Caminho Portugues ist ähnlich traditionsreich wie der bekanntere Camino Frances und wird von ungefähr 48000 Pilgern pro Jahr begangen. Es erwarten mich unter anderem Wanderstrecken an der Atlantischen Küste und durch die grünste (und regenreichste, juhuu) Region Spaniens, Galicien.

3 Wochen habe ich Zeit – und damit weder Eile noch Zeitdruck.

Aufbruch mit Hindernissen

Was ist die so ziemlich uncoolste Art, auf den Caminho Portugues zu starten?

Indem man sich gleich am ersten Tag sein Portmonee inklusive aller wichtige Dokumente, Karten und dem Großteil der Urlaubskasse klauen lässt!

Genau das ist mir am Morgen nach der Ankunft in Porto passiert, noch bevor ich überhaupt ins Hostel einchecken konnte…

Nachdem ich spät abends in einer Herberge nahe des Flughafens am Rande der Stadt übernachtet hatte, hatte ich am Vormittag Zeit eine Stadtführung mitzumachen, bevor es ins Hostel gehen sollte. Ich also schön touri-mäßig mit meinem Rucksack auf dem Rücken Richtung Zentrum… und am Ende der Führung um mein Portmonee erleichtert.

Schadensbegrenzung

Glücklicherweise hatte ich nicht alles Geld im Portmonee, das große Problem stellt der Perso dar. Die ersten Schritte waren also:

– alle Orte nochmal ablaufen und nach dem Portmonee fragen

– die Bankkarten sperren lassen

– zur Polizei gehen (die glücklicherweise englisch sprechend und sehr hilfreich war) und Anzeige erstatten

– von der Polizei einen Wisch erhalten… den ich nun aufgrund anderer Papiere bei jeder Herberge vorzeigen muss, um ein Bett zu erhalten und der derzeit das Einzige ist, mit dem ich mich ausweisen kann

– den Freund anrufen und das Leid klagen (okay, das war ehrlich gesagt das Erste auf meiner Liste)

Am nächsten Morgen

…war dann der Plan, zur deutschen Botschaft in Porto zu gehen und mir ein Ersatzdokument ausstellen zu lassen, sodass ich auf meinen Flug zurück käme.

Angekommen im Büro des Konsulats erklärte mir dann die nette Dame an der Rezeption, dass die zuständige Mitarbeiterin noch eine Woche in Urlaub sei… ich also nach Lissabon müsse.

Spätestens hier war mir so richtig doll danach, mir einfach wieder einen Flug heim zu buchen und das Ganze für dieses Jahr abzublasen… wenn ich denn ein Flugzeug hätte betreten können 😉

Glücklicherweise hatte mein Freund zu dieser Zeit aus Deutschland schon mit der Flugesellschaft telefoniert und eine telefonische Bestätigung erhalten, dass ich auch ohne Ausweis fliegen könne, nur mit der Verlustanzeige der Polizei. Heute, am nächsten Morgen, hatte ich eine Email vom Konsulat in Lissabon im Postfach, dass es in Vigo, einer Stadt in der Nähe des Weges, eine Zweigstelle des Konsulats gäbe, wo man mir Ersatzdokumente ausstellen könne (insofern die nicht auch Urlaub machen).

Es ist also alles vorerst relativ glimpflich abgelaufen – und ich hab dazugelernt, mich niemals wieder drauf zu verlassen, dass ich immer zu 100 Prozent auf meine Sachen Acht geben kann, und aus dem Grund nie wieder alle wichtigen Habseligkeiten an einem Ort zu verstauen. Nächstes Mal werde ich mir definitv auch eine Kopie des Personalausweises einstecken… hello there, harte Realität!

Ein kleiner Schmankerl am Rande: 4 Stunden vor Abflug war schon mein mein Hinflug gecancelt worden, sodass ich erst mit einem Tag Verspätung und mit einem zweiten, richtig teuren Ersatzflug nach Porto geflogen bin. Gestern wurde mir dann auch noch mitgeteilt, dass genau dasselbe mit meinem Rückflug geschehen ist… diesmal jedoch problemlos über die Airline umbuchbar.

Ich hoffe, das war genug Pech für diese Reise und der Caminho Portugues hält nur noch schöne Tage für mich bereit 😉

Übrigens bin ich schon jetzt wahnsinnig froh, mir bereits in Deutschland eine europaweite SIM-Karte mit ausreichen Datenvolumen geholt zu haben, sodass ich hier jederzeit skypen, telefonieren und Dinge im Internet nachschlagen kann. Das hat mir die letzten Tage schon unzählige Male das Leben gerettet!

Jetzt wird ein Eis verspeist und dann geht es weiter auf dem Weg nach Vila do Conde! 🙂